In meinem letzten Jahresrückblick hat sich schon meine Sehnsucht nach einem Langsamer und Weniger angedeutet. Ich sehe mir noch viel zu oft dabei zu, wie ich schneller gehe und mehr tue als ich hinterher verarbeiten kann. Die Dinge bekommen nicht so viel Zeit zum Wirken wie sie eigentlich bräuchten. Daran hat sich auch in diesem Jahr nicht viel geändert. Und doch irgendwie schon. Denn ich merke so stark, dass mir diese Taktung nicht gut tut und ich mehr als mal einen Ausgleich brauche. Ich brauche ein so großes Gegengewicht auf der Waage, weil die Balance schon lange nicht mehr stimmt.
Dieses Jahr hat mir in so ziemlich jedem Bereich die Frage gestellt: Wann ist (endlich) genug? Und ich will so gerne antworten: Jetzt. Jetzt ist endlich genug getan, gezweifelt, gegrübelt, gesucht. Ich glaube, es ist endlich bei mir angekommen: Ich weiß schon lange, wo es hingehen darf. Jetzt geht es darum, diesen Weg wirklich zu gehen. Nicht mehr nebenbei, sondern mit beiden Füßen.
Von zu viel Vielfalt und offenen Grenzen
In diesem Jahr habe ich nichts grundlegend Neues angefangen. Ich habe weiter gemacht und zu Ende gebracht. Und nach all den Veränderungen hat das gut getan. Ich wohne nun schon im 2. Jahr an meinem neuen Ort im Nordschwarzwald und habe hier meine Routinen gefunden, meine liebsten Spazierwege, mein Lieblingsfreibad, mein Lieblingsrestaurant und all die schönen Orte, die ich hier und da entdeckt habe.
Seit 1,5 Jahren nun arbeite ich in meinem Job-Patchwork aus einer Teilzeit-Anstellung als Online-Redakteurin und einer Mischung aus Freelancen für Firmenkunden (eLearning & Lektorat) und meiner Arbeit als Schreibpädagogin und freie Lektorin auf Stille Seiten. Und es hört sich nicht nur viel an: das ist es auch. Am Jahresende habe ich sehr deutlich gespürt, dass es so für mich nicht mehr funktioniert. Denn immer wieder fällt das, was ich eigentlich tun will (Stille Seiten) in den späten Nachmittag, die Abendstunden oder die Wochenenden. Und dafür reicht meine Energie nicht mehr, wenn ich sie schon morgens verpulvere. Vor 7 Jahren habe ich nebenher mit dem Bloggen angefangen und in den ersten Jahren war das in Ordnung. Ich habe mich langsam an erste Schreibangebote herangetastet und mit der Zeit herausgefunden, in welche Richtung es gehen darf. Und nun wird die Stimme in mir lauter, wann dieses Jonglieren denn mal endet. Dieses Aufteilen zwischen hier und dort. Dieses Zerreißen zwischen dem einem und dem anderen.
So ein Job-Portfolio klingt nach Vielfalt und Flexibilität. Ich nehme es als fragmentiertes Arbeiten wahr. Wenn ich schon morgens weiß, dass ich nach meinem Bürojob noch eine Deadline zu halten habe, kann ich mich nicht entspannen. Und so gab es mehrmals Wochen, in denen sich all die Standbeine (ungeplant natürlich) zeitlich so in die Quere gekommen sind, dass ich in einer einzelnen Woche vier Deadlines für vier verschiedene Jobs hatte.
Und so habe ich dieses Jahr irgendwie immer gearbeitet. Auch, weil ich in meiner Freizeit gerne dieselben Dinge tue. Denn ich lese, schreibe und denke gerne, ich notiere und dokumentiere viel, nehme vieles in mir auf, weil es mich interessiert und weil ich gute Gedanken und Impulse für mein Wirken brauche. Gar nicht mal in der Absicht, damit etwas zu tun. Meist fließt es wie von alleine ineinander. Auch deshalb schreibe ich diesen Jahresrückblick immer wieder gerne, weil er für mich lose Enden verknüpft. Hier nehme ich mir die Zeit und den Raum, um meine Gedanken zusammenzubinden wie eine schöne Schleife und um mir meiner Erkenntnisse nochmal bewusst zu werden. Und eine Erkenntnis war, dass ich mehr Ruhe in mein Job-Modell bringen will (dafür habe ich schon die Weichen gestellt) und dringend echte Auszeiten brauche (und damit auch gesunde statt offene Grenzen).
Ausblick vom Kaltenbronn; auf meinen Spazierwegen begegne ich immer wieder einer Herde Schafe, die alle paar Tage weiterziehen; eine Vollmondnacht
Wenn Fragen den Weg zeigen
Und so blieb in diesem Job-Patchwork wenig Raum für das, was mir Herzen liegt: meine Schreibangebote. Nachdem ich die Schreibwerkstatt Autor:innen des Lebens schon zweimal wegen zu wenig Anmeldungen absagen musste, war ich mir nicht mehr sicher: Ist es noch das richtige Format?
Also habe ich die Schreibwerkstatt erst einmal pausiert und diese und andere Fragen an die Leserinnen meiner Stillen Post weitergegeben. In einer Umfrage und mehreren Interviews konnte ich meine Leserinnen besser kennenlernen und erfahren, was sie zum Schreiben bringt, beim Schreiben hält und was sie für ihr Schreiben brauchen.
Die Resonanz auf meine Umfrage war sehr groß und ich habe viele wertvolle Antworten bekommen. Wir alle brauchen hin und wieder einen Spiegel, der uns die Perspektive von der anderen Seite zeigt. Ich habe jetzt ein viel klareres Bild, wer da alle zwei Wochen mitliest und mitschreibt oder gerne etwas buchen würde, wenn ich denn ein Schreibangebot hätte.
Diese Pause – das Innehalten, das Fragen, das Zuhören – war genau richtig. Sie hat mir gezeigt: Ich muss nicht immer mehr machen und ich muss es vor allem nicht alleine tun. Und genau das wird meine Aufgabe für 2026: Aus all den Erfahrungswerten meiner vergangenen Schreibangeboten und dem neuen Feedback ein zuverlässiges und passendes Schreibangebot zusammenzustellen.
Oben: Blick von der Festung Marienberg auf Würzburg und den Main; rechts: Wein- und Stadtour durch Würzburg; links: im Berggarten in Hannover; mitte: Am Aueweiher in Fula; unten: Blick vom Wallberg auf den Tegernsee
Ankommen im Körper & somatisches Schreiben
Seit ich 2022 auf (Bindungs-)Trauma gestoßen bin, bin ich tief getaucht. In Traumawissen, die Polyvagaltheorie, unser Nervensystem. Traumasensibles Yoga. Somatics Yoga. Nachdem ich letztes Jahr die Fortbildung in Traumasensibel begleiten – TSB® bei Natalie Bürk gemacht habe, bin ich im September in die 6-monatige Ausbildung gestartet.
TSB® ist eine körper- und nervensystemorientierte Art sein Leben und Wirken zu gestalten. Manches ist bereits von Anfang an intuitiv in meine Arbeit eingeflossen: Sichere Räume ohne Aufzeichnung, ich biete oft Wahlmöglichkeiten an, lade ein, die Schreibimpulse für sich zu verändern, vorlesen ist freiwillig, meine Schreibimpulse sind oft mehrteilig aufgebaut, um sich einem Thema zu nähern, beim biografischen Schreiben sind meine Impulse thematisch eher offen gefasst. Und tatsächlich ist meine Art und Herangehensweise das, was mir am meisten unter meinen Leserinnen gespiegelt wurde.
In der diesjährigen Rauhnachtspost (die im 3. Jahr in Folge stattfindet und in diesem Jahr ein Update erhalten hat) ist nun etwas mehr Körperorientierung eingeflossen und ich bin sehr gespannt, wie die Rückmeldungen dazu ausfallen werden.
Was ich vor allem in der TSB®-Ausbildung erfahren habe: Mich wirklich zu spüren. All die Nuancen zu spüren. Spüren, was in mir lebendig ist. Was ich brauche. Wissen, was mir wann guttut. Und den Punkt spüren, bevor es kippt. Bevor ich zu genervt bin. Bevor ich drüber bin. Bevor ich die Pause wieder verpasse oder übergehe oder viel zu müde bin oder schon viel zu hungrig.
Es ist (noch) immer ein Prozess. Während ich mich früher durch geführte Bodyscans von Körperteil zu Körperteil gedacht habe (statt sie wirklich spüren zu können) oder bei Visualisierungen oder angeleiteten Meditationen total weg war (und erst jetzt verstehe, dass ich dissoziiert habe), habe ich durch die TSB®-somatischen Übungen eine viel bessere Basis. Es sind die ersten Übungen, die wirklich bei mir landen konnten und das, obwohl ich schon viele Jahre Yoga praktiziere und dachte, ich hätte ein gutes Körpergefühl.
Und genau dieser Ort, den ich so in mir finde, ist ein guter Ort zum Schreiben. Und deshalb möchte ich beides ineinanderfließen lassen. Denn natürlich können wir aus dem Kopf schreiben und fühlen uns danach sortierter. Doch wie verändert es sich, wenn wir aus uns, unserem Körper, in voller Präsenz schreiben?
Bevor ich diesen Rückblick geschrieben habe, habe ich all meine Journals durchgelesen. Als Spiegel meiner Gedanken und als Spiegel meiner Art zu sein und zu leben. Ich habe gesehen, wie sehr sich meine Gedanken im Kreis drehen, wie ich in verschiedenen Abständen zu denselben Erkenntnissen komme, aber dann nichts mehr passiert, wie ich dort mein ganzes Zuviel und meine Unruhe abgeladen habe. Ich habe also von viel Enge, viel Schmerz, viel Getriebensein gelesen. Doch wenn ich schon vorher viel verbundener mit mir war, hat sich auch das Schreiben verändert. Da war auf einmal mehr Weite, mehr Perspektive, Neugier und Ruhe.
Mit Blick auf das Nervensystem ergeben sich noch viel mehr spannende Erkenntnisse: All die inneren kritischen Stimme, die uns und unser Schreiben beurteilen, die Perfektion, die uns beim Schreiben und Überarbeiten antreibt und erschöpft oder eine lähmende Unsicherheit, die uns vom (Weiter-)Schreiben abhält, haben so viel mit dem Zustand unseres Nervensystems zu tun. Und deshalb ist es so wichtig, dass es sichere Räume, Orte, Menschen und Angebote gibt. Wir können nur lernen, kreativ sein und uns ausdrücken, wenn wir uns sicher fühlen.
Hier schließt sich für mich der Kreis: Früher habe ich in so manchen Schreibratgebern vom Meditieren vor dem Schreiben gelesen. Jetzt erst erkenne ich ihren Wert. Und ich weiß nun, dass diese Meditationen für mich nie geklappt haben, weil ich als Kopfmensch erst einen kleinschrittigen Zugang zu meinem Körper brauche. Und ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen ähnlich geht.
Im Frühjahr endet die TSB®-Ausbildung mit einem Retreat im Schwarzwald, auf das ich mich sehr freue, und mit einer Abschlussarbeit, in der ich diese Art des Schreiben, einer Art Somatischen Schreibens, erforschen möchte.
Freibad-Saison; Feuerwerk auf dem Gernsbacher Altstadtfest; mein erstes Sauerteigbrot; ein Baum, der mir während meiner Spaziergänge aufgefallen ist; Nostalgie-Kino
Themen, die sich finden und verbinden
Ich kann es an meinem Bücherregal, an meinen Texten, meinen Weiterbildungen und gebuchten Kursen, meinen Jahresrückblicken, meinen Newslettern, meinen Suchverläufen ablesen: Ich habe meine Themen gefunden und sie bewegen sich wie in einem Sonnensystem um mich. Sie rotieren mal mehr und mal weniger in mein Blickfeld. Mal steht ein Thema im Vordergrund, dann kommt wieder ein anderes. Aber sie alle kommen wieder und jedes Mal lerne ich etwas, erkenne Facetten, vertiefe. Von Yoga, Yogaphilosophie, Ayurveda, Somatics, Nervensystem, (Trauma-)Sensibilität, Gefühle, Resilienz über Frausein & Frauengesundheit bis zu Kreativität und Schreiben.
Ich muss das nicht einmal planen, die Themen kommen von selbst, die Wellen des Lebens spülen sie mir an den Strand. Über diese Wechsel habe ich mich früher geärgert. Alle paar Wochen lag ein anderes Buch auf meinem Nachttischstapel oben und verschwand wieder nach unten, nachdem ich mir all das rausgepickt habe, was ich für den Moment brauchte. Inzwischen mag ich diese innere Logik, diese zyklischen Wechsel. Das Kommen und Gehen und Wiederkommen.
Und wie sich all diese Themen auf wundersame Weise in meinem Leben verbinden, habe ich in diesem Jahr erlebt. Ich war auf meinen ersten Sommer Festivals. Auf dem Little Yoga Festival in Kehl habe ich zum ersten Mal Kirtan erlebt. Seitdem gehe ich öfter zu Mantra- und Kirtan-Abenden und habe das Glück, dass hier in der Gegend Mantra-Musiker aktiv sind. Beim Kirtan werden sich immer wiederholende Zeilen, oft Mantren, gesungen, sodass jede:r direkt mitsingen kann. Ausgerechnet ich, die früher im Musikunterricht nur die Lippen bewegt hat, aus der Angst, nicht gut genug zu klingen und dass diejenigen, die neben mir sitzen, das hören und es sie stört. Und nun singe ich mit und genieße diese Abende in voller Verbundenheit.
Auf dem Mind on Fire Festival in Schlitz war ich zum ersten Mal in einem Frauenkreis und auch hier spüre ich die Verbundenheit und wie gut es tut, auszusprechen, was mich bewegt. Sich zeigen und zuzuhören. Sich einzulassen. Zu spüren, wie uns ähnliche Themen verbinden. Das gibt Kraft, ein Gefühl von weniger Alleinsein mit den eigenen Themen. Es ist wie ein Übungsraum: Was ich hier aussprechen kann, kann ich nochmal anders für mich verarbeiten. Ich kann es mit in andere Räume nehmen und auch woanders aussprechen. Und da ich vor allem zum Schreiben gefunden habe, weil ich damals nicht sprechen und mich anvertrauen wollte, ist das Sprechen in diesen sicheren Kreisen heilsam für mich und meine Stimme. Genauso wie das Singen.
Eindrücke vom Little Yoga Festival; links das Alte Schloss Baden-Baden; und in der Mitte mein Abschiedbier am Orange Beach Frankfurt
Stille Seiten in Zahlen
Meine Zahlen sind ähnlich wie im Vorjahr. Was allerdings außergewöhnlich war: dass ich in diesem Jahr so viele Antworten und Rückmeldungen auf meinen Newsletter bekommen habe, wie noch nie zuvor.
- 342 Leser:innen meines Newsletters Stille Post
- 26 Ausgaben Stille Post
- 57 Schreibende habe ich mit meinen Angeboten begleitet
- 1 neuer Blogartikel (es ist dieser, den du gerade liest)
Besondere Momente im Jahr 2025
Zwischen all dem Jonglieren, dem Zuviel und den offenen Grenzen gab es Momente, in denen ich ganz bei mir war. Momente, die mir gezeigt haben: So fühlt es sich an, wenn ich mir Zeit nehme. Die Farbtupfer in diesem Jahr waren wie immer Ausflüge, Reisen und Besuche.
Im Mai war ich mit einer Freundin für 3 Tage in Würzburg. Zwischen Brücken-Bacchus, Festung Marienberg und Stadtstrand war genug Zeit für schöne Aussichten und lange Gespräche.
Im Sommer waren mein Partner und ich am Tegernsee – was Erinnerungen an frühere Familienurlaube geweckt hat. Ich habe den Wallberg zu Fuß erklommen, bin durch die Wolfsschlucht gegangen und ein Stück Prinzregententorte durfte natürlich nicht fehlen. Absolutes Highlight: die weltklasse Pizza im Backhaus (zum Glück auf dem Hotelgelände, sodass wir dort gleich zwei Mal essen waren 😊).
Ich war ein paar Tage zu Besuch in Hannover und auf Ausflügen in Freudenstadt und Rottweil und natürlich mehrmals in meiner Heimat in Fulda. Außerdem für eine Nacht in Frankfurt, unter anderem auf ein letztes Bier am Orange Beach, ein alternativer Biergarten am Main unter der S-Bahn-Brücke, der dieses Jahr schließen wird. (Hiermit verbinde ich besondere Erinnerungen, denn ganz in der Nähe habe ich viele Jahre gelebt.)
Nach vielen Jahren Pause war ich in diesem Jahr mehrfach im Kino, oft allein und einmal auch als einziger Gast, denn in den Nachbarorten gibt es noch diese kleinen Nostalgie-Kinos, in denen nie besonders viel los ist und die manchmal auch tolle Klassiker zeigen, wie Zurück in die Zukunft. Passend dazu war auch M von Depeche Mode ein kleines Highlight, fast wie ein Konzert im Kino.
Urlaub am Tegernsee: Ein Hotel mit einer Parklandschaft und umgeben von Wald mit Outdoor-Sauna und Kältefass; Prinzregententorte und die weltklasse Pizza im Backhaus; links: Eingang zur Wolfsschlucht
Meine Richtung für das Jahr 2026
Ich bleibe dabei und setzte mir auch diesmal keine ambitionierten Ziele für 2026. Ich kenne meine Richtung und die nächsten Schritte, die vor mir liegen sind:
- Entwicklung neuer Schreibangebote auf Basis meiner Umfrage und den zugehörigen Gesprächen. Der Fokus wird auf E-Mail liegen, ich denke aber auch über Workshop-Themen und wieder über einen monatlichen Schreibraum nach.
- Wieder mehr schreibend über Themen nachdenken, etwa auf meinem Blog, in der TSB®-Abschlussarbeit und einfach schauen, was daraus entsteht.
- Meine Gesundheit in den Mittelpunkt stellen, die Standbeine im Job-Portfolio verkleinern und noch mehr mit den Jahreszeiten gehen. Vor allem mit meinen inneren Jahreszeiten, um zyklisch(er) zu leben und zu arbeiten.
Mein Wort-Duo für das Jahr 2026: Freiraum & Sanftmut
Mir ist klar geworden: Gedanken und Erkenntnisse brauchen Zeit, Nachdenken braucht Zeit. Und es braucht Menschen, die diese Zeit haben, um sie der Muße widmen zu können. Ich merke auch: Für kreative Arbeit brauche ich gute Ressourcen. Ich muss besonders gut dafür sorgen, dass ich mich erhole, Offline-Zeit bekomme, dass ich Freiräume habe, um nachzudenken, zu fühlen, zu dokumentieren, guten Input zu bekommen (in Form von Büchern, Musik, Kursen, Museen, Kultur, anderen Menschen, guten Gesprächen, Natur, Stadt, Ausflüge, andere Eindrücke). Es braucht das volle Leben, das einmal durch mich hindurchfließt, damit ich mit diesen Eindrücken wieder etwas erschaffen kann. Verkörperung braucht Zeit. Veränderung auch.
Ich brauche den Freiraum auf der Yogamatte, mich so zu bewegen, wie es mein Körper braucht. Ich brauche den Freiraum, um in meinem Körper anzukommen und um mitzubekommen, wie es mir gerade geht und was ich wirklich brauche.
Ich brauche Freiräume für Hobbies (Farben, Pinsel und Papier warten schon so lange in der Schublade auf ihren Einsatz), Freiräume fürs Nichtstun und für Dinge, die frei von Zweck und Anspruch sind.
Ich brauche den Freiraum in meinem Journal, das regelmäßige Schreiben von Morgenseiten und mein Bullet Journal (geführt nach dem System Ryder Carol). Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ohne die Bullet-Journal-Methode meinen Alltag mit Job-Patchwork organisieren würde. Hier findet alles seinen Platz. Hier trenne ich nicht zwischen Arbeit und dem Rest, weil es bei mir sowieso verschwimmt und weil ich so alle Teile von mir zwischen den Buchdeckeln zusammenhalte. Inzwischen schreibe ich dort am Ende jeder Woche einen kurzen Rückblick und am Ende jeden Monats auch. Das macht so viel sichtbar. Mir ist erst in der Rückschau aufgefallen, wie oft ich davon geschrieben habe, dass ich abends erschöpft bin, dass ich wieder mal Kopfschmerzen nach langen Bürotagen habe, dass der Tag oder die Woche zu viel, zu voll, zu anstrengend war. Es ist unüberhörbar. Und deshalb muss ich auf mich und meinen Körper hören und darf langsamer werden und vor allem: sanftmütiger. Über das Wort Sanftmut habe ich im Sommer sogar eine Stille Post geschrieben, die du hier nachlesen kannst.
Ich will mir gegenüber sanfter, rücksichtsvoller und geduldiger werden. Und gleichzeitig unbeirrbar und mutig weitergehen. Ich habe mein Jahresmotto für 2026 deshalb so gewählt:
Freiraum & Sanftmut für ein Leben nach meinem Rhythmus.
So viel Natur vor der Tür: Schwarzenbach-Talsperre im Januar; Spaziergang durch Wiesen und Wälder im April; Kuckucksfelsen in Forbach im Mai
Danke, dass du hier bist!
Vielleicht liest du meine Stille Post, hast während der Rauhnächte mitgeschrieben oder schaust hier einfach neugierig rein. Danke an dich!
Ein besonderer Dank geht an alle, die mir in diesem Jahr geschrieben haben. An die vielen Menschen, die auf meine Newsletter geantwortet haben, mir ihre Gedanken geschickt oder einfach ein paar Worte zurückgegeben haben. Eure Resonanz hat mir gezeigt: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen und Gedanken. Wir gehen diese Wege gemeinsam. Und ich bin richtig auf meinem Weg, ich muss ihn nur weitergehen.
Ich wünsche dir einen wunderbaren Übergang ins neue Jahr und für 2026 den Freiraum, den du brauchst. Ganz besonders für dich & dein Schreiben.

Liebe Ann-Christin,
Dein Jahresrückblick war alles, was ich nicht in Worte fassen konnte zum Thema „zu viel, zu schnell, zu wenig Pausen“.
Meinem Nervensystem ging es dieses Jahr, besonders zum Ende hin, komplett genauso und ich habe mir in all der Hektik nicht einmal mehr die Zeit genommen mein 6-Minuten Journal auszufüllen.
Aus deinem Beitrag, nehme ich sehr viel für mich mit und habe mich auch schon für die Stille Post angemeldet. (Smarter Name übrigens💛).
Danke, dass ich hier ein Stück deiner Reise und inneren Gefühlswelt mitnehmen durfte.
Dir ein sanftes neues Jahr.
Nette Grüße
Sina
Liebe Ann-Christin, deine Worte haben mich berührt, ich Vielem habe ich ich wiedergefunden. Es ist schon spannend, dass ich über unsere Jahresrückblicke gerade auf deine Seite gekommen bin, irgendwie hat sie mich „gerufen“. Ich werde ein bisschen auf deiner Seite stöbern und freue mich sehr auf neue Ideen und Impulse.
Liebe Grüße
Karin