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Schreiben am Morgen für einen guten Start in den Tag

Nichts hat so viel Kraft wie ein neuer Morgen. Im Gold der Morgenstund‘ liegt der Tag erst noch vor uns und wir entscheiden darüber, welche Weichen wir für den neuen Tag stellen wollen. Morgens zu schreiben, hilft dabei, positiver und fokussierter in den Tag zu starten. Wir sind nach dem Aufwachen im wahrsten Sinne ein unbeschriebenes Blatt Papier. Das Schreiben am Morgen ist daher weniger reflektierend, sondern fokussiert und nach vorne ausgerichtet. Noch kraftvoller ist es, wenn das Journaling zu einem Teil deiner Morgenroutine wird.

Hier findest du acht kleinere und größere Ideen, wie du schreibend in den Tag starten kannst – je nachdem, wie viel Zeit du dir am Morgen nehmen möchtest:

1. Der Klassiker: Morgenseiten nach Julia Cameron

Die Morgenseiten gehen auf Julia Cameron zurück und sind eine Form des Freewritings. Dafür schreibst du direkt nach dem Aufwachen auf drei DIN-A4-Seiten auf, was dir im Kopf herumschwirrt – ohne auf Grammatik und Zeichensetzung zu achten oder deinen Text zu korrigieren. Das Schreiben kennt hier nur eine Richtung: vorwärts und immer den Gedanken nach. Regelmäßig – am besten täglich – praktiziert wirst du mit der Zeit Veränderungen feststellen.

Du kommst Themen und Blockaden auf den Grund, an denen du sonst vorbei geschrieben hättest. Du kommst raus aus negativen Gedankenstrudeln und Klarheit stellt sich ein. Vielleicht setzt du etwas von den Ideen und Entscheidungen um, die du auf dem Papier getroffen hast und die schon längst überfällig waren. Ein Effekt der Morgenseiten liegt in der Regelmäßigkeit und im Umfang. Da du etwas zu Papier bringen musst, um die Seiten zu füllen, schreibst du. Ein weiterer Effekt ist die Tageszeit, denn auf die kommt es hier an: Morgens bevor du in den Tag startest, um den Weg für den Tag zu ebnen, noch frei von allem, was kommen wird. Lies hier mehr über die Morgenseiten.

2. Zwischen einschlafen und aufwachen

Es ist immer wieder faszinierend, wie so manche Gedanken und Gefühle nach einer Nacht wie weggeblasen sind. Eine Idee kann daher sein, regelmäßig die Frage zu beantworten:

Mit welchen Gedanken und Gefühlen bist du gestern eingeschlafen und mit welchen heute aufgewacht?

Der Vergleich zwischen einschlafen und aufwachen ist spannend, um ein Gespür für deine Stimmung zu bekommen und zu sehen: Welche Gedanken kommen und welche bleiben?

3. Dem Tag ein Wort geben

Welche Überschrift willst du über den heutigen Tag setzen? Schreib es auf und erinnere dich im Laufe des Tages an dein Wort, damit du – bewusst oder unbewusst – die Dinge tust, damit der Tag zur Überschrift passt.

4. Mit einer Affirmation oder Intention in den Tag starten

Affirmationen sind positiv und in der Gegenwart formulierte Sätze, die dich kraftvoll in etwas bestätigen. Auch wenn du noch nicht weißt, was der heutige Tag bringen wird: Mit einer Affirmation oder einer Intention stimmst du dich positiv auf den Tag ein. Durch diese bewusste Haltung beeinflusst du gleichzeitig, wie du dich fühlen wirst. Beispiele für Affirmationen und Intentionen sind:

  • Ich genieße den Tag.
  • Ich höre aufmerksam zu.
  • Ich bin im Hier und Jetzt.
  • Heute lege ich meinen Fokus auf …
  • Heute sorge ich gut für mich.
  • Ich vertraue mir und meinen Fähigkeiten.
  • Ich nehme mir bewusst Zeit für Pausen.

5. Eine Liste mit Zielen schreiben

Was sind die großen Ziele, die du erreichen möchtest? Wenn du aus deinen Wünschen für das aktuelle Jahr Ziele für das Quartal oder den aktuellen Monat festgelegt hast und sie konsequent verfolgen möchtest, kannst du dich jeden Morgen an sie erinnern und deine aktuellen Ziele Tag für Tag auflisten. Das motiviert und gibt dir ein gutes Gefühl für den Tag.

6. Was kannst du heute für dein Ziel tun?

Willst du ins Handeln kommen, leite aus deinem Ziel eine Handlung ab, die du heute tun kannst und die dich deinem Ziel näher bringt. Auf diese Weise hast du gleich eine Priorität für den Tag gesetzt.

7. Welche drei Dinge kannst du heute tun, damit es ein schöner Tag wird?

Diese drei Dinge können konkrete Handlungen sein oder Leitlinien, nach denen du heute leben möchtest, wie zum Beispiel: hilfsbereit sein, fokussiert sein, Zeit nehmen für …, weniger tun und mehr sein …

8. Welche Frage möchtest du mit in den Tag nehmen?

Wenn es Dinge gibt, für die du noch keine Lösung gefunden hast, kannst du das Thema als Frage mit in deinen Tag nehmen. Das kann dazu führen, dass du Antworten findest.

Eine mögliche Formulierung für Fragen dieser Art ist:

Was kann ich tun, um …

zum Beispiel: geduldiger mit mir selbst zu sein?

Indem du dir eine solche Frage stellst, gibst du deinem Unterbewusstsein die Chance, mit ihr zu arbeiten und im Alltag Gelegenheiten für Antworten zu erkennen.

Startest du bereits schreibend in den Tag und ist eine Übung für dich dabei, die du gerne ausprobieren möchtest? Für alle, die lieber oder zusätzlich gerne abends schreiben, gibt es hier Ideen, um den Tag schreibend zu verabschieden.

Quellen und weiterführende Literatur

Cameron, Julia (2013): Der Weg des Künstlers: Ein spiritueller Pfad zur Aktivierung unserer Kreativität.

12 Kommentare

  1. liebe ann-christin, danke für deinen beitrag mit den stimmungsvollen fotos! dem schreiben am morgen widme ich mich gerade sehr intensiv (für mein blog 😉) habe mir die „morgenseiten“ vorgenommen und sie fallen mir so, so schwer – darüber werde ich dann wohl noch berichten – toll, dass du so viele schöne andere anregungen hast, ich werde sie ausprobieren!! sei herzlich gegrüßt, dorothee

    • Liebe Dorothee,

      da machst du mich aber neugierig, wie dein Fazit zu den Morgenseiten ausfallen wird und ob du diese Widerstände für dich einordnen kannst. Ich schreibe phasenweise sehr gerne Morgenseiten und mir helfen sie dabei, Dinge zu Ende zu denken. Sie haben mir auch schon Antworten bei schwierige Entscheidungen gegeben.

      Viele Grüße
      Ann-Christin

  2. Liebe Ann-Christin,
    Morgenseiten, ich schaff es einfach nicht, denn im Bett liegt ein Klammeräffchen, das hält mich arg fest. Wenn ich dann endlich aus der Umarmung meiner warmen Bettdecke entflohen bin, spute ich mich, um pünktlich zum Zug zu kommen – wenn schon keine Morgenseiten, dann Morgensport. 😉 Während des Urlaubs hatte ich für ca. 4 Tage begonnen, zwei Seiten zu schreiben, jeden Morgen, um eventuellen Träumen auf die Spur zu kommen. Mit Einreise in die Heimat hatte es sich ausgeschrieben. Folglich habe ich es abends versucht, als die Zeit der Rauhnächte war, ebenfalls ein spannendes Thema und habe den Tag Revue passieren lassen. Bis zum Monat August habe ich es geschafft, immerhin, danach war es wieder vorbei mit der Disziplin. Denn das ist es tatsächlich, was mir fehlt, die Disziplin, das Korsett des willentlichen Schreibens, einem steten Rhythmus folgend, was ich als einengend empfinde und mich abhält, diszipliniert am Ball zu bleiben. Zudem locken zu viele weitere Dinge, denen mein Interesse gilt. Im Übrigen hat Julia Cameron auch etwas zum „Inneren Kritiker“ geschrieben, als Querverweis zum Szenischen Schreiben. 🙂
    Liebe Grüße
    Katrin

    • Liebe Katrin,

      das Auf und Ab, das du so schön beschreibst, kenne ich auch. Wenn ich es morgens nicht schaffe, schreibe ich meine Abendseiten und mag auch das sehr gerne als ein Ritual, um den Tag zu verabschieden. Und wenn ich phasenweise weder morgens noch abends schreibe, finde ich das auch okay. Da du die Regelmäßigkeit mit einem Korsett beschreibst, wirkt es, als ob du dich dazu zwingen müsstest. Den Gedanken dahinter kann ich verstehen, denn manchmal müssen wir uns auch zu dem Guten zwingen. Spricht denn etwas dagegen nur dann zu schreiben, wenn dir danach ist?
      Genau, das hat Julia Cameron, bei ihr ist es der Innere Zensor und die Morgenseiten (und generell das Freie Schreiben) sind Methoden, um sich daran zu gewöhnen, unzensiert und ohne Korrektur zu schreiben.

      Liebe Grüße
      Ann-Christin

      • Liebe Ann-Christin,
        ich darf als Zwischenstand vermelden: Jeden Tag notiere ich – notieren ist auch schreiben – ich schreibe folglich notierend, in mein Memo am Handy, wenn mich eine Idee, ein Gedanke anspringt, in mein Büchlein, auf gelben Post-It´s (die größeren natürlich), in meinen Notizblock. Je nachdem, was gerade schneller zur Hand ist, um einen Gedankenblitz, einen Satz, Worte, Werbung festzuhalten, für eventuell später, weil es mir wichtig ist, weil es Spaß macht.
        Deine Anregungen und „Austausch“ erlebe ich als Quellen, um in einen gewissen Schreibflow zu geraten, und wenn es lediglich das Kritzeln auf meinen Zetteln ist, erlebe ich dies als befriedigende Momente, wenn ich feststelle, ist mir nicht durch die Lappen gegangen. 😉
        Liebe Grüße
        Katrin

        • Liebe Katrin,

          das klingt wunderbar, da kommt mit der Zeit sicherlich so einiges zusammen 🙂 In solchen Momenten tippe ich am liebsten Satzfetzen ins Handy. Aber nur, WENN ich diese Momente bemerke, sie sind mir manchmal neben den üblichen Gedanken nicht wirklich aufgefallen😄

          Liebe Grüße
          Ann-Christin

  3. Bettina Ludwig sagt

    Liebe Ann-Christin, Dein Impuls kommt für mich gerade richtig. Ich habe ein Jahr lang regelmäßig morgens geschrieben, dann flaute es ab, nun versuche ich gerade, es wieder zu aktivieren und werde mit Anregungen aus deinem Beitrag belebt. Danke schön. Bettina

  4. Liebe Ann-Christin,

    danke für deine schönen Anregungen. Einige (kürzere) Übungen möchte ich gern ausprobieren, da ich der totale Morgenmuffel bin. 😅🙈 Deswegen bin ich auch schon auf deinen nächsten Beitrag zu den „Abendritualen“ gespannt, da das eher meine Zeit ist.

    Danke und liebe Grüße,
    Kristin

    • Liebe Kristin,

      genau deshalb habe ich auch auf kurze Übungen geachtet 🙂 Schön, dass du ihnen eine Chance geben willst 😉 Ich mag das abendliche Schreiben auch etwas lieber – es fühlt sich einfach anders an.

      Viele Grüße
      Ann-Christin

  5. Birdy sagt

    Liebe Ann-Christin,

    ich habe letztes Jahr „Von der Kunst des kreativen Schreibens“ von Julia Cameron gelesen und fand es sehr motvierend. Ich habe auch schon mehrere Male angefangen Morgenseiten zu führen und dann kam mir irgendwann immer etwas dazwischen. Leider habe ich keinen sehr regelmäßigen Tagesrythmus und dadurch fällt es mir oft schwer so regelmäßige Schreibrituale in meinen Tag zu intergrieren. Ich sehe aber absolut wozu das das gut ist und fand die Phasen in denen ich täglich geschrieben habe, immer sehr bereichernd. Wie ich in den Kommentaren schon gelesen habe, handhabst du das auch flexibel. Das tut mir gut zu lesen.

    Wie geht es dir eigentlich mit dem täglichen Schreiben im Moment. Mir fehlt so oft die Inspiration und der Input dafür durch die aktuelle Situation. Hilft dir das Journaling dabei? Das würde mich sehr interssieren.

    Dein Blog ist wirklich schön und stimmig. Danke für deine Anregungen.
    Liebe Grüße
    Birdy

    • Liebe Birdy,

      danke für den Einblick in deine Erfahrungen mit den Morgenseiten.

      Eine feste Schreibroutine für den Morgen konnte ich auf Dauer auch nicht halten, daher schreibe ich mal morgens, mal abends oder wie es gerade passt. Hauptsache ich schreibe überhaupt und mit einer gewissen Regelmäßigkeit, das funktioniert für mich ganz gut.

      Schreiben kann ich ganz gut zu (inneren) Bildern, Schreibimpulsen, anderen Texten oder einfach nur zu Musik. Ich lasse mich von dieser Stimmung tragen und bin so vielleicht etwas unabhängiger von Begegnungen im Alltag. Das Journaling zeigt mir vor allem Themen, die mich gerade beschäftigen, und hilft mir beim Reflektieren. Für mich ist es mehr ein Weg, meine Gedanken zu ordnen und bewusster zu leben. Literarisch habe ich mit diesen Texten deshalb noch nicht weitergearbeitet, aber ich kann mir vorstellen, das darin Impulse für Neues liegen.

      Liebe Grüße
      Ann-Christin

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