von Ann-Christin | 19. Dezember 2020 | Impulse
Wenn ich an das Jahr 2020 denke, denke ich an ein Jahr, das Wellen schlug. Und gerade weil ich auf Federschrift etwas untergetaucht bin, möchte ich in diesem Jahresrückblick zurückschauen – ganz besonders, um davon zu erzählen, dass das Schreiben mein Rettungsring und Anker war, der mich sicher durch dieses Jahr gebracht hat.
Ausblick auf 2021
Das war natürlich nur ein Ausschnitt der Themen, die mich in diesem Jahr beschäftigt haben. Wie es bei Wellengang nunmal so ist, kommt so einiges an die Oberfläche oder wird weggespült. Ich weiß, dass ich den Weg weitergehen werde und das bedeutet:
- mehr Wissen, Erfahrungen und Übungen zu teilen,
- weitere Kurse und Workshops anzubieten (sicherlich auch im Rahmen meines Praxismoduls im Studium),
- Federschrift und/oder Stille Seiten weiterzuentwickeln und dort der Kraft des Schreibens mehr Raum zu geben,
- selbst mehr literarisch zu schreiben (ich denke da immer noch an meine Ideen von einem Fotografie-Literatur-Projekt und Kurzgeschichten-Band).
Dabei nehme ich diesen Leitgedanken mit:
Angst lähmt, Mut verleiht Flügel
France Gauthier
Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben, und mich auch im neuen Jahr auf diesem Weg begleiten werden.
Ich wünsche euch einen wundervollen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr – und freue mich, wenn wir uns in einer der Schreib-Sessions sehen.
Vielleicht gefällt dir auch …
Wieder Studentin: Biografisches und Kreatives Schreiben
Seit Oktober bin ich wieder (Teilzeit-)Studentin. Für die nächsten zweieinhalb Jahre studiere ich den Master Biografisches und Kreatives Schreiben an der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Es war schon lange mein Wunsch und ist für mich der nächste Schritt, um noch mehr über Schreibpädagogik zu lernen, um dich und viele andere beim Schreiben zu begleiten.
Im Rahmen des Studiums führe ich noch bis (mindestens) März 2021 einen Blog über das Journaling. Bis dahin erscheint jeden Sonntag ein neuer Artikel. Ich plane, noch mehr aus dieser Seite zu machen und lade dich daher gerne ein, mitzulesen auf Stille Seiten.
Einladung zur Jahresreflexion 2020/2021
Wie angekündigt, wird es einen Schreib-Workshop mit mir geben: eine Online Schreib-Session zum Jahreswechsel. In der ersten lade ich dich dazu ein, das Jahr 2020 gemeinsam schreibend zu reflektieren. Und in der zweiten stimmen wir uns mit Impulsfragen und Kreativübungen schreibend auf das Jahr 2021 ein.
Ausblick auf 2021
Das war natürlich nur ein Ausschnitt der Themen, die mich in diesem Jahr beschäftigt haben. Wie es bei Wellengang nunmal so ist, kommt so einiges an die Oberfläche oder wird weggespült. Ich weiß, dass ich den Weg weitergehen werde und das bedeutet:
- mehr Wissen, Erfahrungen und Übungen zu teilen,
- weitere Kurse und Workshops anzubieten (sicherlich auch im Rahmen meines Praxismoduls im Studium),
- Federschrift und/oder Stille Seiten weiterzuentwickeln und dort der Kraft des Schreibens mehr Raum zu geben,
- selbst mehr literarisch zu schreiben (ich denke da immer noch an meine Ideen von einem Fotografie-Literatur-Projekt und Kurzgeschichten-Band).
Dabei nehme ich diesen Leitgedanken mit:
Angst lähmt, Mut verleiht Flügel
France Gauthier
Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben, und mich auch im neuen Jahr auf diesem Weg begleiten werden.
Ich wünsche euch einen wundervollen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr – und freue mich, wenn wir uns in einer der Schreib-Sessions sehen.
[/et_pb_text][/et_pb_column][/et_pb_row]
Vielleicht gefällt dir auch …
[/et_pb_section]
Wenn ich mir ansehe, was ich mir alles für 2020 vorgenommen hatte, bin ich noch lange nicht am Ziel, aber auf dem Weg. Ein wichtiges Zwischenziel werde ich noch in diesem Jahr erreichen: meinen ersten Schreib-Workshop.
[/et_pb_text]
Federschrift in Zahlen
In diesem Jahr war es sehr still hier. Diesen Jahresrückblick eingerechnet, habe ich zwei Artikel geschrieben und zwei Inspirationsletter versendet. Dagegen hat sich die Zahl der Abonnent*innen meines Inspirationsletters verdoppelt.
Das sind die Artikel, die in 2020 am meisten gelesen wurden:
- Der erste Satz: Wie du Leser verführst und deine Geschichte beginnst (mit 15 Beispielen für gelungene Satzanfänge)
- Blackout Poetry – Eine kreative Schreibübung für visuelle Gedichte
- Die Kunst des letzten Satzes – So schreibst du ein gutes Ende (mit Beispielen aus der Literatur)
Jobwechsel, Homeoffice und Zeit in der Natur
Mein Jahr begann mit den letzten Wochen in meinem alten Job. Auch wenn ich die letzten Tagen nur so heruntergezählt habe, waren sie schwerer als gedacht. Bei uns ist es Tradition, jeden mit einer Wortmarke zu verabschieden. Ich schaue sie mir gerne an, weil sie mit schönen Erinnerungen verbunden ist und mir zeigt, was ich für tolle Kolleg*innen hatte:
Nach nur sieben Wochen in meinem neuen Job wechselte ich ins Dauer-Homeoffice. Inzwischen arbeite ich schon länger von Hause als vom Büro aus – für mich als leiser Mensch die ideale Arbeitsumgebung. Mir ist außerdem bewusst geworden, dass sich mein Leben rein äußerlich gar nicht so sehr von dem vor Corona unterscheidet. Ich lese und schreibe – in Stille und zu Hause. Sport mache ich seit Jahren in meinem Wohnzimmer, mein Obst und Gemüse kommt mit der Bio-Kiste an meine Haustür, ich koche lieber selbst anstatt Essen zu gehen, mit Freunden treffe ich mich am liebsten außerhalb der Gruppe für 1:1-Gespräche und für meine Spaziergänge kann ich jederzeit vor die Tür. Und in der Natur habe ich dieses Jahr viel Zeit verbracht:
Aerial Yoga und Yoga-Routine
Im Februar habe ich meinen ersten Kurs in Aerial Yoga besucht. Schon lange haben mich die Bilder davon fasziniert, in einem Tuch zu schweben und zu schaukeln. Kurz danach hing mein eigenes Aerial Tuch zu Hause an der Decke.
Meine Yoga-Praxis auf der Matte habe ich außerdem in diesem Jahr intensiviert und erneut mit dem 21-Tage-Programm aus dem wunderbaren Buch Mein Neustart mit Yoga von Nicola Jane Hobbs geübt. Es verbindet Achtsamkeits-, Journaling-, Yoga-Übungen und Meditationen gegen Stress und Ängste.
Die (Wieder-)Entdeckung meiner Schreibstimme
Neben Yoga ist das Schreiben mein zweiter Weg, um mit Unsicherheiten, Veränderungen und den vielen Gedanken tagein, tagaus umzugehen. Ich habe in diesem Jahr so viel wie schon lange nicht mehr geschrieben. Ich habe Seite über Seite nur für mich geschrieben. Ich habe den Echoraum in mir entdeckt und alles aus mir herausfließen lassen. Dabei habe ich gelernt, mich noch weniger zu zensieren und auch meine rohen Texte zu mögen, die ehrlicher sind als alles, was ich überarbeite, und in denen die eigentlichen Schätze und (Lebens-)Themen schlummern.
Wieder Studentin: Biografisches und Kreatives Schreiben
Seit Oktober bin ich wieder (Teilzeit-)Studentin. Für die nächsten zweieinhalb Jahre studiere ich den Master Biografisches und Kreatives Schreiben an der Alice Salomon Hochschule in Berlin. Es war schon lange mein Wunsch und ist für mich der nächste Schritt, um noch mehr über Schreibpädagogik zu lernen, um dich und viele andere beim Schreiben zu begleiten.
Im Rahmen des Studiums führe ich noch bis (mindestens) März 2021 einen Blog über das Journaling. Bis dahin erscheint jeden Sonntag ein neuer Artikel. Ich plane, noch mehr aus dieser Seite zu machen und lade dich daher gerne ein, mitzulesen auf Stille Seiten.
Einladung zur Jahresreflexion 2020/2021
Wie angekündigt, wird es einen Schreib-Workshop mit mir geben: eine Online Schreib-Session zum Jahreswechsel. In der ersten lade ich dich dazu ein, das Jahr 2020 gemeinsam schreibend zu reflektieren. Und in der zweiten stimmen wir uns mit Impulsfragen und Kreativübungen schreibend auf das Jahr 2021 ein.
Ausblick auf 2021
Das war natürlich nur ein Ausschnitt der Themen, die mich in diesem Jahr beschäftigt haben. Wie es bei Wellengang nunmal so ist, kommt so einiges an die Oberfläche oder wird weggespült. Ich weiß, dass ich den Weg weitergehen werde und das bedeutet:
- mehr Wissen, Erfahrungen und Übungen zu teilen,
- weitere Kurse und Workshops anzubieten (sicherlich auch im Rahmen meines Praxismoduls im Studium),
- Federschrift und/oder Stille Seiten weiterzuentwickeln und dort der Kraft des Schreibens mehr Raum zu geben,
- selbst mehr literarisch zu schreiben (ich denke da immer noch an meine Ideen von einem Fotografie-Literatur-Projekt und Kurzgeschichten-Band).
Dabei nehme ich diesen Leitgedanken mit:
Angst lähmt, Mut verleiht Flügel
France Gauthier
Danke an alle, die bis hierhin gelesen haben, und mich auch im neuen Jahr auf diesem Weg begleiten werden.
Ich wünsche euch einen wundervollen Jahresausklang und einen guten Start ins neue Jahr – und freue mich, wenn wir uns in einer der Schreib-Sessions sehen.
[/et_pb_column][/et_pb_row]
Vielleicht gefällt dir auch …
[/et_pb_section]
von Ann-Christin | 13. Dezember 2020 | Journaling
Wenn es einen Weg gibt, der zu deinen innersten Gedanken und Gefühlen führt, würdest du ihn gehen? Und wenn du dafür nur einen Stift bräuchtest, würdest du drauflos schreiben? Und Worte finden für alles das, was bereits in dir liegt?
Diese Art zu Schreiben ist Journaling. Was im ersten Moment nach Tagebuchschreiben klingt, geht tiefer. Während im Tagebuch die (äußeren) Ereignisse eines Tages im Vordergrund stehen, schaut das Journal nach Innen.
Was passiert beim Journaling?
Beim Journaling schreibst du über deine innere Welt, über die stressigen, aufwühlenden und traurigen Momenten in deinem Leben. Aber auch über die, die dir Kraft schenken, dich zum Lächeln bringen und für die du dankbar bist. Du begibst dich schreibend auf einem Weg. Journaling schafft Bewusstsein, es hilft dir, dich selbst besser zu verstehen und stärkt die Verbindung zu dir selbst.
Im regelmäßigen Schreiben liegt eine Kraft, die
- Gedanken ordnet,
- Gefühle sichtbar macht,
- Erinnerungen belebt,
- Klarheit schafft,
- Themen an die Oberfläche bringt,
- Wege aufzeigt.
Ganz in dem Sinne:
Damit die Tage nicht leer vorüber ziehen, ist es wichtig zu schreiben.
Vita Sackville-West
Es ist sogar wissenschaftlich belegt, dass Journaling dabei hilft, ein glücklicheres und gesünderes Leben zu führen.
Journaling ist mehr als Fragen
Die bekannteste Form des Journalings sind (Impuls-)Fragen, die du dir stellst und schriftlich beantwortest. Doch Journaling ist mehr als das. Es gibt dir eine ganze Palette an Methoden an die Hand – von strukturiert bis intuitiv. Jeden Tag kannst du neu und flexibel zwischen ihnen wählen. Je nach Tagesform, je nachdem, wie viel Zeit du gerade hast, je nachdem, was du gerade brauchst.
Und was du brauchst, um mit dem Journaling zu starten, liest du im nächsten Beitrag.
von Ann-Christin | 1. März 2020 | Routinen
Mal sprudeln die Ideen, mal warten wir vergeblich auf einen guten Einfall. Mal haben wir mehr Energie für unser Schreibprojekt und an manchen Tagen bringen wir nichts zu Papier. Jeder, der schreibt und Kreatives erschafft, kann ein Lied davon singen.
Natürlich ist kein Tag wie der andere, doch haben diese Schwankungen einen Grund: Sie sind Teil des kreativen Prozesses und jeder, der schreibt, muss durch diese Phasen durch. Wenn du weißt, was dabei in dir vorgeht, kannst du dein Schreibprojekt viel entspannter angehen und sogar genießen.
Die Phasen im kreativen Prozess
In der Kreativitätsforschung gibt es die sogenannte Phasentheorie. Graham Wallas hat 1926 in seinem bekannten Vier-Phasen-Modell zusammengefasst, was während des kreativen Denkens in uns vorgeht. Claudia Schuch und Heidi Werder beschreiben in ihrem Buch Die Muse küsst – und dann?: Lust und Last im kreativen Prozess insgesamt sechs Phasen im schöpferischen Prozess. Die Phasen laufen in etwa wie folgt ab:
1. Phase: Vorbereitung
In dieser Phase geht es um das Suchen und Sammeln. Angenommen, du willst eine Geschichte schreiben, dann überlegst du sicherlich zuerst, worum es gehen soll. Du sammelst erste Ideen und hast vielleicht schon ein oder zwei Hauptfiguren im Kopf. Vielleicht recherchierst du auch. Irgendwann hast du viel Material beisammen. Es ist ungeordnet und unübersichtlich. Du weißt nicht weiter und fühlst dich hilflos.
2. Phase: Inkubation
In dieser Phase brütest du wortwörtlich etwas aus. Von außen betrachtet, passiert nicht. Die eigentliche Arbeit spielt sich im Unterbewusstsein ab. Claudia Schuch und Heidi Werder beschreiben Inkubieren als einen „Zustand, in dem das gesammelte Material innerlich verarbeitet, gewandelt und in eine neue, umfassende Form gebracht werden soll.“ Das Ausbrüten kostet Energie und es kann sein, dass du dich in dieser Zeit müde und leer fühlst. Vielleicht brauchst du mehr Zeit für dich oder willst mit niemandem darüber sprechen, woran du gerade arbeitest oder besser gesagt: es versuchst. Wie lange dieser Zustand anhält, ist unterschiedlich. Ist kein Zeitdruck dabei, kann sich diese Phase eine Weile hinziehen.
3. Phase: Moment der Erkenntnis
Nun hat sie dich endlich geküsst, die Muse! In dieser Phase erlebst du dein Heureka!, deinen Aha-Moment. Dieser Moment bringt dir eine Idee, eine Skizze, ein Bild oder eine Melodie. Dein Unterbewusstsein hat mit dem Rohmaterial gearbeitet und es sortiert. Der Musenkuss kommt oft dann, wenn du nicht mit ihm rechnest und etwas tust, wobei deine Gedanken abschweifen: zum Beispiel beim Duschen, Kochen, Schwimmen oder wenn du auf den Zug wartest. Dieser Kuss setzt Energie in dir frei: Du bist begeistert und fühlst dich befreit. Du bewertest die neuen Ideen und entscheidest, wie es weiter geht.
4. Phase: Zeit der Arbeit
Endlich kannst du dich an die Arbeit machen: Schnell schreibst du im Flow und tippst dir die Finger wund. Auf einmal hast du genug Energie, um die Nacht durchzuarbeiten. Du vergisst dich selbst und die Zeit. Ein traumhafter Zustand für alle Schreiber! Doch Vorsicht: Die Stimme des inneren Kritikers oder Selbstzweifel reißen schnell aus dem Flow heraus.
5. Phase: Verifikation
Dein Text oder dein Schreibprojekt ist geschrieben und es kann sein, dass es anders ist, als du es dir vorgestellt hast. Dein Text kann sich fremd anfühlen, weil unbewusste Anteile mit eingeflossen sind. In dieser Phase erlebst du den zweiten Aha-Moment und lernst etwas Neues über dich selbst: Indem du dich mit deinem Text auseinandersetzt, ihn bewertest, überarbeitest und anerkennst. Letztendlich wertschätzt du deinen Text. Gleichzeitig stellst du dir vielleicht vor, was andere zu deinem Text sagen könnten. Aus Angst vor der Reaktion verstecken manche Kreative ihre Arbeit.
6. Phase: Zeit der Erholung
Dein Schreibprojekt ist beendet, doch anstatt erleichtert zu sein, fühlst du dich leer und verloren? Kein Wunder, deine Energie ist verbraucht. Du hast dein Ziel erreicht und fragst dich vielleicht, was du nun mit deiner Zeit anfängst. Du musst deine Arbeit nun loslassen. In dieser Phase hilft es, dich mit allem außer dem Schreiben zu beschäftigen: schlafen, aufräumen, im Garten arbeiten, Sport machen…
Der kreative Prozess im Alltag
In der Praxis lassen sich die Phasen nicht so strikt voneinander trennen wie im Modell. Sie überschneiden sich und gehen ineinander über. Bis eine kreative Arbeit abgeschlossen ist, musst du alle Phasen durchlaufen – es lässt sich keine überspringen. Doch es kann schon mal sein, dass du in diesem Prozess die ein oder andere Schleife drehst, zum Beispiel:
- Wechseln sich Inkubation und Ana-Momente ab.
- Verifizierst du nach der Arbeitsphase deine Texte und springst danach zurück in die Arbeitsphase, verifizierst noch einmal usw.
- Legst du nach der Arbeitsphase eine Erholungspause ein, bevor du dich wieder an die Arbeit machst.
Höre auf dich und vertraue dem Prozess
Hast du dich wiedererkannt? Dann weißt du sicher, in welcher Phase du gerade steckst und was du nun brauchst. Das kann Zeit für dich sein, Ablenkung vom Schreiben, ungestörte Schreibzeit, Strategien gegen den inneren Kritiker oder eine klare Deadline.
Beim Schreiben werden wir immer mit uns selbst konfrontiert. Hör also genau in dich hinein, was du gerade brauchst, auch wenn es bedeutet, dass du erst einmal nicht schreiben willst. Es ist vollkommen in Ordnung, in einem Schreibtief zu stecken. Vertraue dem kreativen Prozess, irgendwann kommst du am Ende an – und beginnst wieder von vorne mit einem neuen Text.
Quellen und weiterführende Literatur:
Csíkszentmihályi, Mihaly (2014): Flow und Kreativität. Wie Sie Ihre Grenzen überwinden und das Unmögliche schaffen. Klett-Cotta Verlag: Stuttgart.
Fitzke, Daniel (2018): 30 Minuten Schreibblockaden lösen. Gabel: Offenbach.
Schuch, Claudia; Werder, Heidi (2006): Die Muse küsst – und dann?: Lust und Last im kreativen Prozess. Karger: Basel.
von Ann-Christin | 21. Juli 2019 | Impulse
Der letzte Satz ist gelesen. Die Figuren treten von der Bühne ab. Es ist der Moment, in dem Leser*innen das Buch schließen und Abschied nehmen. Hier entscheidet sich, mit welchem Gefühl sie die Geschichte zurücklässt. Wie dir ein Ende gelingt, das Leser*innen begeistert und auf welche Weise du Geschichten beendest, liest du hier.
Mit dem Ende steht und fällt, wie Leser*innen deine Geschichte in Erinnerung behalten. Ein guter Anfang ist wichtig, um die Leser in die Geschichte zu ziehen, so ist ein gutes Ende genauso wichtig, doch oft entscheidender über den Erfolg einer Geschichte. Am meisten bleibt uns das Ende in Erinnerung: Das gelungene und das, dass irgendwie nicht zufriedenstellend war.
Was macht ein gutes Ende aus?
Das Ende einer Geschichte ist die logische Folge aus der vorangegangenen Handlung. Der Schluss führt alles zusammen: Lose Handlungsstränge, Antworten auf offene Fragen, er löst den Hauptkonflikt und zeigt, ob die Figuren ihr Ziel erreicht haben und wie sie sich dadurch entwickelt haben. Die Kunst des letzten Satzes ist es, den richtigen Zeitpunkt zu treffen und nicht zu früh oder mit einem langatmigen Schluss enden.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für das Ende einer Geschichte?
Ein perfektes Ende kommt für den Leser überraschend und erscheint ihm dennoch genau richtig.
William Zinsser
Das perfekte Ende ist also eine Balance aus der Lesererwartung und der logischen Konsequenz aus dem, was zwischen Anfang und Ende steht. Um das zu erreichen, braucht es Übung und Gespür: Probiere verschiedene Enden aus und gehe nach deinem Gefühl, welche Variante am besten zur Geschichte passt.
Endet die Geschichte zu früh und zu abrupt, lässt sie den Leser mit einem unguten Gefühl zurück. Zieht sich das Ende zu lange hin, liefert eine erklärende Zusammenfassung, eine Moral oder sogar eine zufällige Auflösung (die sich nicht aus der Handlung oder den Figuren ergibt) wird sich der Leser für dumm verkauft fühlen und die Geschichte unglaubwürdig finden.
An bestimmte Genre ist meist auch eine bestimmte Erwartung geknüpft: In einem Liebesroman erwarten Leser*innen ein Happy End, bei einem Krimi, dass der Mörder und das Motiv enthüllt werden.
Einen tollen Tipp habe ich auf diesem Blog gelesen, er stammt von der Schriftstellerin Sharon Warner. Sie empfiehlt: Schreibe das Ende, bis sich fast eine neue Geschichte am Ende andeutet.
Falls du zu späten Enden neigst, gibt es auch hier einen Trick: Lies dir dein Ende durch bis zum vorletzten Absatz. Decke den letzten Absatz mit deiner Hand ab oder knicke das Papier um. Wie wirkt es? Könnte die Geschichte bereits hier enden – oder noch einen Absatz früher… oder noch früher? Dieselbe Probe geht auch umgekehrt: Fühlt sich dein Ende noch nicht ganz rund an und fehlt ihm etwas, dann schreibe noch einen Absatz und überprüfe die Wirkung.
Das Ende von Sätzen und Absätzen
Neben dem Schluss der Geschichte hat auch jedes Kapitel, jeder Absatz und jeder Satz ein Ende. In Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben widmet Roy Peter Clark ihnen ein eigenes Kapitel. Er zeigt, dass der letzte Satz oder nur das letzte Wort eines Kapitels bereits eine Andeutung des großen Finales am Ende beinhalten kann. Sobald das Ende deiner Geschichte feststeht, überprüfe die Enden deiner Kapitel.
Das letzte Wort
Das Ende mancher Geschichten ist auf ein letztes Wort hin konzipiert. Vladimir Nabokovs Roman Lolita beginnt und endet mit dem Schlüsselwort:
Anfang:
Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden.
Ende:
Und dies ist die einzige Unsterblichkeit, an der du und ich gemeinsam teilhaben dürfen, meine Lolita.
Verschiedene Arten von Enden
Für das Ende einer Geschichte gibt es unzählige Möglichkeiten. Ein gutes Hilfsmittel ist es, dir den Rahmen der Geschichte bewusst zu machen oder dich für einen zu entscheiden.
Roy Peter Clark beschreibt einige davon, zum Beispiel:
- Der Zeitrahmen: Hier gibt das Ticken einer Uhr den Rahmen vor – zum Beispiel bleibt den Figuren nur noch wenig Zeit, um etwas zu tun oder zu finden. Hier endet die Geschichte, wenn die Zeit abgelaufen ist.
- Der räumliche Rahmen: Der Beginn einer Reise oder einer Suche führt den Leser an verschiedene Orte bis er an seiner letzten Destination angekommen ist.
- Den Kreis schließen: Bei einem Ringschluss beziehen sich Anfang und Ende aufeinander. Hat die Geschichte mit einer Reise begonnen, so endet sie mit einer Rückkehr: Das Ende führt zurück zum Ort des Anfangs. Der Schluss kann aber auch eine Erkenntnis oder Wiederholung eines prägnanten Satzes aus dem Anfang sein, der jetzt in einem anderen Licht erscheint.
Das lineare Ende
Bei diesem Ende fügen sich alle Handlungsstränge zusammen, es gibt keine offenen Fragen und keine Überraschungen. Ein Beispiel ist das Happy End.
Da ein solch runder Schluss unglaubwürdig wirken kann, beschreibt Fritz Gesing in seinem Klassiker Kreativ Schreiben Varianten wie den:
- „offenen Schluss: Der Leser soll die Lösung finden, die in der Logik der Geschichte liegt.
- ambivalenten Schluss, der weder glücklich noch unglücklich ist, aber auch nicht vage sein darf.“
Anfang und Ende schreiben
Wie du zum Ende deiner Geschichte findest, hängt von deiner Arbeitsweise ab. Manche haben das Ende bereits beim Schreiben im Kopf; andere beginnen zu schreiben, ohne zu wissen, wie ihre Geschichte endet. Beides ist möglich und ganz egal wie dein Schreibprozess aussieht: Sobald dein Entwurf geschrieben ist, solltest du dir Anfang und Ende nochmals gemeinsam anschauen.
Lege deinen Anfang und das Ende nebeneinander. Gibt es ein Motiv, einen Satz oder Ort aus dem Anfang, den du uns Ende aufnehmen kannst? Oder umgekehrt: Gibt es etwas in deinem Anfang, das du mit Blick auf das Ende umschreiben willst? Manchmal kann es sein, dass du das Ende bereits in deinem Text findest. Roy Peter Clark empfiehlt, sich den ersten Absatz durchzulesen und zu prüfen, ob sich dort nicht schon ein Ende versteckt.
Beispiele für letzte Sätze und Absätze
Um ein Gespür dafür zu bekommen, wie du das Ende einer Geschichte schreibst, ist es hilfreich, viele Enden zu lesen. Bei Romanen und Geschichten lohnt es sich, genau hinzuschauen und Schlüsselstellen wiederholt zu lesen – so fallen dir mehr Details auf, etwa, wie das Ende vorbereitet wird und welche Hinweise bereits am Anfang oder im Verlauf der Geschichte eingestreut sind.
Hier findest du sechs Beispiele aus der Literatur für ein Ende und letzte Sätze:
Mit einer Erkenntnis enden
Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass es dich gegeben hat.
Und weil es dich gegeben hat, werden immer Spuren von dir da sein, die über die Erde wehen.
Ich habe das an hundert verschiedenen Orten gedacht. Im Schnee. In einem dunklen Wald.
Ich denke es jetzt.
Ich denke es, da ich meinem Mann auf einem Pferd zu einer Hütte auf einer Lichtung folge, nach einem Tag in der Sonne. Sein Hemd ist am Rücken feucht und sein linker Arm nach hinten ausgestreckt, ich soll meine Hand in seine legen. Das tue ich. Seine Hand schließt sich um meine, drückt sie, und in dieser Geste denke ich an dich.
Susan Fletcher: Austernfischer
Den Titel des Romans auflösen
Noch bevor sie die ersten gebrochenen Worte ihrer Tochter vernahm, wusste sie, dass es zu spät war. Das Muster, nach dem sie gesucht hatte, war verschwunden. Schlimmer noch – es war nie da gewesen. Wie konnte es auch anders sein? Was sie sich erhofft hatte, war ein Hirngespinst, ein Traum, ein Ding der Unmöglichkeit: Wie der Regen, bevor er fällt.
Jonathan Coe, Der Regen, bevor er fällt
Mit einer Erinnerung enden
Sogar jetzt noch kann ich mir vorstellen, wie sie in ihrem purpurroten Sommerkleid und den hohen schwarzen Stiefeln durch die Zimmer des Pink Hotel stolziert. Manchmal, wenn ich blinzle, sehe ich immer noch wie sie mir von einer Tür aus zulächelt.
Anna Stothard, Pink Hotel
Der Dialog / Die offene Frage
„Du hast meine Frage nicht beantwortet. Ich soll nach Hause kommen – und dann?“
Es klingt schrecklich, aber ich konnte ihr keine Antwort darauf geben, weil ich selbst keine hatte.
Howard Jacobson, Liebesdienst
Abschied nehmen
Leila sah zu, wie der Brief langsam versank, und entfernte sich vom Kanal. Zurück ließ sie nur den Abdruck ihrer weißen Pumps in der Erde.
Claire Gondor: Ein Kleid aus Tinte und Papier
Mit einer Vorausdeutung enden
Ich werde deine Hand nehmen, du wirst aufstehen, und dann, dann werden wir gehen.
Katharina Hartwell, Das Fremde Meer
Diesen Schluss finde ich besonders spannend: Die Zeitebene wechselt von Präsens in die Zukunft – wobei offen bleibt, ob es so eintreten wird oder nur eine Vorstellung des Erzählers ist.
Das perfekte Ende braucht Übung
Du siehst: Ein gutes Ende ist kein Zufall. Lies viel, schaue Filme und sieh dir die Konstruktion von Anfang und Ende genau an. Für das perfekte Ende braucht es womöglich ein paar Anläufe. Probiere verschiedene Enden aus und schreibe mehrere Versionen (und behalte zur Sicherheit alle davon) – bis du das Ende findest, das genau zu deiner Geschichte passt.
Quellen und weiterführende Literatur
Clark, Roy Peter (2017): Die 50 Werkzeuge für gutes Schreiben. Handbuch für Autoren, Journalisten & Texter. Autorenhaus Verlag: Berlin
Gesing, Fritz (1994): Kreativ Schreiben. Handwerk und Techniken des Erzählens. Dumont: Köln.
Zinsser, William (2001): Schreiben wie ein Schriftsteller. Fach- und Sachbuch, Biografie, Reisebericht, Kritik, Business, Wissenschaft und Technik. Autorenhaus Verlag: Berlin.