Jahresrückblick 2025: Wenn zu viel wirklich zu viel ist

Jahresrückblick 2025: Wenn zu viel wirklich zu viel ist

In meinem letzten Jahresrückblick hat sich schon meine Sehnsucht nach einem Langsamer und Weniger angedeutet. Ich sehe mir noch viel zu oft dabei zu, wie ich schneller gehe und mehr tue als ich hinterher verarbeiten kann. Die Dinge bekommen nicht so viel Zeit zum Wirken wie sie eigentlich bräuchten. Daran hat sich auch in diesem Jahr nicht viel geändert. Und doch irgendwie schon. Denn ich merke so stark, dass mir diese Taktung nicht gut tut und ich mehr als mal einen Ausgleich brauche. Ich brauche ein so großes Gegengewicht auf der Waage, weil die Balance schon lange nicht mehr stimmt.

Dieses Jahr hat mir in so ziemlich jedem Bereich die Frage gestellt: Wann ist (endlich) genug? Und ich will so gerne antworten: Jetzt. Jetzt ist endlich genug getan, gezweifelt, gegrübelt, gesucht. Ich glaube, es ist endlich bei mir angekommen: Ich weiß schon lange, wo es hingehen darf. Jetzt geht es darum, diesen Weg wirklich zu gehen. Nicht mehr nebenbei, sondern mit beiden Füßen.

Von zu viel Vielfalt und offenen Grenzen

In diesem Jahr habe ich nichts grundlegend Neues angefangen. Ich habe weiter gemacht und zu Ende gebracht. Und nach all den Veränderungen hat das gut getan. Ich wohne nun schon im 2. Jahr an meinem neuen Ort im Nordschwarzwald und habe hier meine Routinen gefunden, meine liebsten Spazierwege, mein Lieblingsfreibad, mein Lieblingsrestaurant und all die schönen Orte, die ich hier und da entdeckt habe.

Seit 1,5 Jahren nun arbeite ich in meinem Job-Patchwork aus einer Teilzeit-Anstellung als Online-Redakteurin und einer Mischung aus Freelancen für Firmenkunden (eLearning  & Lektorat) und meiner Arbeit als Schreibpädagogin und freie Lektorin auf Stille Seiten. Und es hört sich nicht nur viel an: das ist es auch. Am Jahresende habe ich sehr deutlich gespürt, dass es so für mich nicht mehr funktioniert. Denn immer wieder fällt das, was ich eigentlich tun will (Stille Seiten) in den späten Nachmittag, die Abendstunden oder die Wochenenden. Und dafür reicht meine Energie nicht mehr, wenn ich sie schon morgens verpulvere. Vor 7 Jahren habe ich nebenher mit dem Bloggen angefangen und in den ersten Jahren war das in Ordnung. Ich habe mich langsam an erste Schreibangebote herangetastet und mit der Zeit herausgefunden, in welche Richtung es gehen darf. Und nun wird die Stimme in mir lauter, wann dieses Jonglieren denn mal endet. Dieses Aufteilen zwischen hier und dort. Dieses Zerreißen zwischen dem einem und dem anderen.

So ein Job-Portfolio klingt nach Vielfalt und Flexibilität. Ich nehme es als fragmentiertes Arbeiten wahr. Wenn ich schon morgens weiß, dass ich nach meinem Bürojob noch eine Deadline zu halten habe, kann ich mich nicht entspannen. Und so gab es mehrmals Wochen, in denen sich all die Standbeine (ungeplant natürlich) zeitlich so in die Quere gekommen sind, dass ich in einer einzelnen Woche vier Deadlines für vier verschiedene Jobs hatte.

Und so habe ich dieses Jahr irgendwie immer gearbeitet. Auch, weil ich in meiner Freizeit gerne dieselben Dinge tue. Denn ich lese, schreibe und denke gerne, ich notiere und dokumentiere viel, nehme vieles in mir auf, weil es mich interessiert und weil ich gute Gedanken und Impulse für mein Wirken brauche. Gar nicht mal in der Absicht, damit etwas zu tun. Meist fließt es wie von alleine ineinander. Auch deshalb schreibe ich diesen Jahresrückblick immer wieder gerne, weil er für mich lose Enden verknüpft. Hier nehme ich mir die Zeit und den Raum, um meine Gedanken zusammenzubinden wie eine schöne Schleife und um mir meiner Erkenntnisse nochmal bewusst zu werden. Und eine Erkenntnis war, dass ich mehr Ruhe in mein Job-Modell bringen will (dafür habe ich schon die Weichen gestellt) und dringend echte Auszeiten brauche (und damit auch gesunde statt offene Grenzen).

Ausblick vom Kaltenbronn; auf meinen Spazierwegen begegne ich immer wieder einer Herde Schafe, die alle paar Tage weiterzieht; eine Vollmondnacht

Wenn Fragen den Weg zeigen

Und so blieb in diesem Job-Patchwork wenig Raum für das, was mir Herzen liegt: meine Schreibangebote. Nachdem ich die Schreibwerkstatt Autor:innen des Lebens schon zweimal wegen zu wenig Anmeldungen absagen musste, war ich mir nicht mehr sicher: Ist es noch das richtige Format?

Also habe ich die Schreibwerkstatt erst einmal pausiert und diese und andere Fragen an die Leserinnen meiner Stillen Post weitergegeben. In einer Umfrage und mehreren Interviews konnte ich meine Leserinnen besser kennenlernen und erfahren, was sie zum Schreiben bringt, beim Schreiben hält und was sie für ihr Schreiben brauchen.

Die Resonanz auf meine Umfrage war sehr groß und ich habe viele wertvolle Antworten bekommen. Wir alle brauchen hin und wieder einen Spiegel, der uns die Perspektive von der anderen Seite zeigt. Ich habe jetzt ein viel klareres Bild, wer da alle zwei Wochen mitliest und mitschreibt oder gerne etwas buchen würde, wenn ich denn ein Schreibangebot hätte.

Diese Pause – das Innehalten, das Fragen, das Zuhören – war genau richtig. Sie hat mir gezeigt: Ich muss nicht immer mehr machen und ich muss es vor allem nicht alleine tun. Und genau das wird meine Aufgabe für 2026: Aus all den Erfahrungswerten meiner vergangenen Schreibangeboten und dem neuen Feedback ein zuverlässiges und passendes Schreibangebot zusammenzustellen.

Oben: Blick von der Festung Marienberg auf Würzburg und den Main; rechts: Wein- und Stadtour durch Würzburg; links: im Berggarten in Hannover; mitte: Am Aueweiher in Fulda; unten: Blick vom Wallberg auf den Tegernsee

Ankommen im Körper & somatisches Schreiben

Seit ich 2022 auf (Bindungs-)Trauma gestoßen bin, bin ich tief getaucht. In Traumawissen, die Polyvagaltheorie, unser Nervensystem. Traumasensibles Yoga. Somatics Yoga. Nachdem ich letztes Jahr die Fortbildung in Traumasensibel begleiten – TSB® bei Natalie Bürk gemacht habe, bin ich im September in die 6-monatige Ausbildung gestartet.

TSB® ist eine körper- und nervensystemorientierte Art sein Leben und Wirken zu gestalten. Manches ist bereits von Anfang an intuitiv in meine Arbeit eingeflossen: Sichere Räume ohne Aufzeichnung, ich biete oft Wahlmöglichkeiten an, lade ein, die Schreibimpulse für sich zu verändern, vorlesen ist freiwillig, meine Schreibimpulse sind oft mehrteilig aufgebaut, um sich einem Thema zu nähern, beim biografischen Schreiben sind meine Impulse thematisch eher offen gefasst. Und tatsächlich ist meine Art und Herangehensweise das, was mir am meisten unter meinen Leserinnen gespiegelt wurde.

In der diesjährigen Rauhnachtspost (die im 3. Jahr in Folge stattfindet und in diesem Jahr ein Update erhalten hat) ist nun etwas mehr Körperorientierung eingeflossen und ich bin sehr gespannt, wie die Rückmeldungen dazu ausfallen werden.

Was ich vor allem in der TSB®-Ausbildung erfahren habe: Mich wirklich zu spüren. All die Nuancen zu spüren. Spüren, was in mir lebendig ist. Was ich brauche. Wissen, was mir wann guttut. Und den Punkt spüren, bevor es kippt. Bevor ich zu genervt bin. Bevor ich drüber bin. Bevor ich die Pause wieder verpasse oder übergehe oder viel zu müde bin oder schon viel zu hungrig.

Es ist (noch) immer ein Prozess. Während ich mich früher durch geführte Bodyscans von Körperteil zu Körperteil gedacht habe (statt sie wirklich spüren zu können) oder bei Visualisierungen oder angeleiteten Meditationen total weg war (und erst jetzt verstehe, dass ich dissoziiert habe), habe ich durch die TSB®-somatischen Übungen eine viel bessere Basis. Es sind die ersten Übungen, die wirklich bei mir landen konnten und das, obwohl ich schon viele Jahre Yoga praktiziere und dachte, ich hätte ein gutes Körpergefühl.

Und genau dieser Ort, den ich so in mir finde, ist ein guter Ort zum Schreiben. Und deshalb möchte ich beides ineinanderfließen lassen. Denn natürlich können wir aus dem Kopf schreiben und fühlen uns danach sortierter. Doch wie verändert es sich, wenn wir aus uns, unserem Körper, in voller Präsenz schreiben?

Bevor ich diesen Rückblick geschrieben habe, habe ich all meine Journals durchgelesen. Als Spiegel meiner Gedanken und als Spiegel meiner Art zu sein und zu leben. Ich habe gesehen, wie sehr sich meine Gedanken im Kreis drehen, wie ich in verschiedenen Abständen zu denselben Erkenntnissen komme, aber dann nichts mehr passiert, wie ich dort mein ganzes Zuviel und meine Unruhe abgeladen habe. Ich habe also von viel Enge, viel Schmerz, viel Getriebensein gelesen. Doch wenn ich schon vorher viel verbundener mit mir war, hat sich auch das Schreiben verändert. Da war auf einmal mehr Weite, mehr Perspektive, Neugier und Ruhe.

Mit Blick auf das Nervensystem ergeben sich noch viel mehr spannende Erkenntnisse: All die inneren kritischen Stimme, die uns und unser Schreiben beurteilen, die Perfektion, die uns beim Schreiben und Überarbeiten antreibt und erschöpft oder eine lähmende Unsicherheit, die uns vom (Weiter-)Schreiben abhält, haben so viel mit dem Zustand unseres Nervensystems zu tun. Und deshalb ist es so wichtig, dass es sichere Räume, Orte, Menschen und Angebote gibt. Wir können nur lernen, kreativ sein und uns ausdrücken, wenn wir uns sicher fühlen.

Hier schließt sich für mich der Kreis: Früher habe ich in so manchen Schreibratgebern vom Meditieren vor dem Schreiben gelesen. Jetzt erst erkenne ich ihren Wert. Und ich weiß nun, dass diese Meditationen für mich nie geklappt haben, weil ich als Kopfmensch erst einen kleinschrittigen Zugang zu meinem Körper brauche. Und ich bin mir sicher, dass es vielen Menschen ähnlich geht.

Im Frühjahr endet die TSB®-Ausbildung mit einem Retreat im Schwarzwald, auf das ich mich sehr freue, und mit einer Abschlussarbeit, in der ich diese Art des Schreiben, einer Art somatischen Schreibens, erforschen möchte.

Freibad-Saison; Feuerwerk auf dem Gernsbacher Altstadtfest; mein erstes Sauerteigbrot; ein Baum, der mir während meiner Spaziergänge aufgefallen ist; Nostalgie-Kino 

Themen, die sich finden und verbinden

Ich kann es an meinem Bücherregal, an meinen Texten, meinen Weiterbildungen und gebuchten Kursen, meinen Jahresrückblicken, meinen Newslettern, meinen Suchverläufen ablesen: Ich habe meine Themen gefunden und sie bewegen sich wie in einem Sonnensystem um mich. Sie rotieren mal mehr und mal weniger in mein Blickfeld. Mal steht ein Thema im Vordergrund, dann kommt wieder ein anderes. Aber sie alle kommen wieder und jedes Mal lerne ich etwas, erkenne Facetten, vertiefe. Von Yoga, Yogaphilosophie, Ayurveda, Somatics, Nervensystem, (Trauma-)Sensibilität, Gefühle, Resilienz über Frausein & Frauengesundheit bis zu Kreativität und Schreiben.

Ich muss das nicht einmal planen, die Themen kommen von selbst, die Wellen des Lebens spülen sie mir an den Strand. Über diese Wechsel habe ich mich früher geärgert. Alle paar Wochen lag ein anderes Buch auf meinem Nachttischstapel oben und verschwand wieder nach unten, nachdem ich mir all das rausgepickt habe, was ich für den Moment brauchte. Inzwischen mag ich diese innere Logik, diese zyklischen Wechsel. Das Kommen und Gehen und Wiederkommen.

Und wie sich all diese Themen auf wundersame Weise in meinem Leben verbinden, habe ich in diesem Jahr erlebt. Ich war auf meinen ersten Sommer Festivals. Auf dem Little Yoga Festival in Kehl habe ich zum ersten Mal Kirtan erlebt. Seitdem gehe ich öfter zu Mantra- und Kirtan-Abenden und habe das Glück, dass hier in der Gegend Mantra-Musiker aktiv sind. Beim Kirtan werden sich immer wiederholende Zeilen, oft Mantren, gesungen, sodass jede:r direkt mitsingen kann. Ausgerechnet ich, die früher im Musikunterricht nur die Lippen bewegt hat, aus der Angst, nicht gut genug zu klingen und dass diejenigen, die neben mir sitzen, das hören und es sie stört. Und nun singe ich mit und genieße diese Abende in voller Verbundenheit.

Auf dem Mind on Fire Festival in Schlitz war ich zum ersten Mal in einem Frauenkreis und auch hier spüre ich die Verbundenheit und wie gut es tut, auszusprechen, was mich bewegt. Sich zeigen und zuzuhören. Sich einzulassen. Zu spüren, wie uns ähnliche Themen verbinden. Das gibt Kraft, ein Gefühl von weniger Alleinsein mit den eigenen Themen. Es ist wie ein Übungsraum: Was ich hier aussprechen kann, kann ich nochmal anders für mich verarbeiten. Ich kann es mit in andere Räume nehmen und auch woanders aussprechen. Und da ich vor allem zum Schreiben gefunden habe, weil ich damals nicht sprechen und mich anvertrauen wollte, ist das Sprechen in diesen sicheren Kreisen heilsam für mich und meine Stimme. Genauso wie das Singen.

Eindrücke vom Little Yoga Festival; links das Alte Schloss Baden-Baden; und in der Mitte mein Abschiedsbier am Orange Beach in Frankfurt am Main

Stille Seiten in Zahlen

Meine Zahlen sind ähnlich wie im Vorjahr. Was allerdings außergewöhnlich war: dass ich in diesem Jahr so viele Antworten und Rückmeldungen auf meinen Newsletter bekommen habe, wie noch nie zuvor.

 

  • 342 Leser:innen meines Newsletters Stille Post
  • 26 Ausgaben Stille Post
  • 57 Schreibende habe ich mit meinen Angeboten begleitet
  • 1 neuer Blogartikel (es ist dieser, den du gerade liest)

Besondere Momente im Jahr 2025

Zwischen all dem Jonglieren, dem Zuviel und den offenen Grenzen gab es Momente, in denen ich ganz bei mir war. Momente, die mir gezeigt haben: So fühlt es sich an, wenn ich mir Zeit nehme. Die Farbtupfer in diesem Jahr waren wie immer Ausflüge, Reisen und Besuche.

Im Mai war ich mit einer Freundin für 3 Tage in Würzburg. Zwischen Brücken-Bacchus, Festung Marienberg und Stadtstrand war genug Zeit für schöne Aussichten und lange Gespräche.

Im Sommer waren mein Partner und ich am Tegernsee – was Erinnerungen an frühere Familienurlaube geweckt hat. Ich habe den Wallberg zu Fuß erklommen, bin durch die Wolfsschlucht gegangen und ein Stück Prinzregententorte durfte natürlich nicht fehlen. Absolutes Highlight: die weltklasse Pizza im Backhaus (zum Glück auf dem Hotelgelände, sodass wir dort gleich zwei Mal essen waren 😊).

Ich war ein paar Tage zu Besuch in Hannover und auf Ausflügen in Freudenstadt und Rottweil und natürlich mehrmals in meiner Heimat in Fulda. Außerdem für eine Nacht in Frankfurt, unter anderem auf ein letztes Bier am Orange Beach, ein alternativer Biergarten am Main unter der S-Bahn-Brücke, der dieses Jahr schließen wird. (Hiermit verbinde ich besondere Erinnerungen, denn ganz in der Nähe habe ich viele Jahre gelebt.)

Nach vielen Jahren Pause war ich in diesem Jahr mehrfach im Kino, oft allein und einmal auch als einziger Gast, denn in den Nachbarorten gibt es noch diese kleinen Nostalgie-Kinos, in denen nie besonders viel los ist und die manchmal auch tolle Klassiker zeigen, wie Zurück in die Zukunft. Passend dazu war auch M von Depeche Mode ein kleines Highlight, fast wie ein Konzert im Kino.

Urlaub am Tegernsee: Ein Hotel mit einer Parklandschaft und umgeben von Wald mit Outdoor-Sauna und Kältefass; Prinzregententorte und die weltklasse Pizza im Backhaus; links: Eingang zur Wolfsschlucht

Meine Richtung für das Jahr 2026

Ich bleibe dabei und setzte mir auch diesmal keine ambitionierten Ziele für 2026. Ich kenne meine Richtung und die nächsten Schritte, die vor mir liegen sind:

  • Entwicklung neuer Schreibangebote auf Basis meiner Umfrage und den zugehörigen Gesprächen. Der Fokus wird auf E-Mail liegen, ich denke aber auch über Workshop-Themen und wieder über einen monatlichen Schreibraum nach.

  • Wieder mehr schreibend über Themen nachdenken, etwa auf meinem Blog, in der TSB®-Abschlussarbeit und einfach schauen, was daraus entsteht.

  • Meine Gesundheit in den Mittelpunkt stellen, die Standbeine im Job-Portfolio verkleinern und noch mehr mit den Jahreszeiten gehen. Vor allem mit meinen inneren Jahreszeiten, um zyklisch(er) zu leben und zu arbeiten.

Mein Wort-Duo für das Jahr 2026: Freiraum & Sanftmut

Mir ist klar geworden: Gedanken und Erkenntnisse brauchen Zeit, Nachdenken braucht Zeit. Und es braucht Menschen, die diese Zeit haben, um sie der Muße widmen zu können. Ich merke auch: Für kreative Arbeit brauche ich gute Ressourcen. Ich muss besonders gut dafür sorgen, dass ich mich erhole, Offline-Zeit bekomme, dass ich Freiräume habe, um nachzudenken, zu fühlen, zu dokumentieren, guten Input zu bekommen (in Form von Büchern, Musik, Kursen, Museen, Kultur, anderen Menschen, guten Gesprächen, Natur, Stadt, Ausflüge, andere Eindrücke). Es braucht das volle Leben, das einmal durch mich hindurchfließt, damit ich mit diesen Eindrücken wieder etwas erschaffen kann. Verkörperung braucht Zeit. Veränderung auch.

Ich brauche den Freiraum auf der Yogamatte, mich so zu bewegen, wie es mein Körper braucht. Ich brauche den Freiraum, um in meinem Körper anzukommen und um mitzubekommen, wie es mir gerade geht und was ich wirklich brauche.

Ich brauche Freiräume für Hobbies (Farben, Pinsel und Papier warten schon so lange in der Schublade auf ihren Einsatz), Freiräume fürs Nichtstun und für Dinge, die frei von Zweck und Anspruch sind.

Ich brauche den Freiraum in meinem Journal, das regelmäßige Schreiben von Morgenseiten und mein Bullet Journal (geführt nach dem System von Ryder Carroll). Ich weiß gar nicht mehr, wie ich ohne die Bullet-Journal-Methode meinen Alltag mit Job-Patchwork organisieren würde. Hier findet alles seinen Platz. Hier trenne ich nicht zwischen Arbeit und dem Rest, weil es bei mir sowieso verschwimmt und weil ich so alle Teile von mir zwischen den Buchdeckeln zusammenhalte. Inzwischen schreibe ich dort am Ende jeder Woche einen kurzen Rückblick und am Ende jeden Monats auch. Das macht so viel sichtbar. Mir ist erst in der Rückschau aufgefallen, wie oft ich davon geschrieben habe, dass ich abends erschöpft bin, dass ich wieder mal Kopfschmerzen nach langen Bürotagen habe, dass der Tag oder die Woche zu viel, zu voll, zu anstrengend war. Es ist unüberhörbar. Und deshalb muss ich auf mich und meinen Körper hören und darf langsamer werden und vor allem: sanftmütiger. Über das Wort Sanftmut habe ich im Sommer sogar eine Stille Post geschrieben, die du hier nachlesen kannst.

Ich will mir gegenüber sanfter, rücksichtsvoller und geduldiger werden. Und gleichzeitig unbeirrbar und mutig weitergehen. Ich habe mein Jahresmotto für 2026 deshalb so gewählt:

Freiraum & Sanftmut für ein Leben nach meinem Rhythmus.

So viel Natur vor der Tür: Schwarzenbach-Talsperre im Januar; Spaziergang durch Wiesen und Wälder im April; Kuckucksfelsen in Forbach im Mai

Danke, dass du hier bist!

Vielleicht liest du meine Stille Post, hast während der Rauhnächte mitgeschrieben oder schaust hier einfach neugierig rein. Danke an dich!

Ein besonderer Dank geht an alle, die mir in diesem Jahr geschrieben haben. An die vielen Menschen, die auf meine Newsletter geantwortet haben, mir ihre Gedanken geschickt oder einfach ein paar Worte zurückgegeben haben. Eure Resonanz hat mir gezeigt: Ich bin nicht allein mit meinen Fragen und Gedanken. Wir gehen diese Wege gemeinsam. Und ich bin richtig auf meinem Weg, ich muss ihn nur weitergehen.

Ich wünsche dir einen wunderbaren Übergang ins neue Jahr und für 2026 den Freiraum, den du brauchst. Ganz besonders für dich & dein Schreiben.

Jahresrückblick 2024: Umzug in ein neues, altes Leben

Jahresrückblick 2024: Umzug in ein neues, altes Leben

Vor einem Jahr saß ich buchstäblich auf gepackten Kisten in meiner Frankfurter Altbauwohnung. Es hat sich schon länger abgezeichnet, dass mein Leben nach sieben Jahren in dieser Stadt nicht weitergeht. Nach allem, was seitdem passiert ist, kann ich sagen: Dieser Umzug hat eine Kettenreaktion an Veränderungen in meinem Leben ausgelöst. Es war als hätten sie mich alle gefragt: Wie möchtest du eigentlich leben und arbeiten? Welche vorläufigen Antworten ich darauf gefunden habe, darum geht es in diesem Rückblick auf mein Jahr 2024.

Ankommen im Übergang

Wir leben in einer Zeit des Übergangs, den wir auf die ein oder andere Weise alle spüren. Wie immer wähle ich vor dem Beginn eines neues Jahres mein Motto für das kommende Jahr. Für mein Jahr 2024 war es das Wort Ankommen – natürlich mit Blick auf den Umzug, doch auch als Ausdruck einer Sehnsucht. Obwohl ich wusste, dass es ein Ankommen und Fertigsein nicht gibt. Rückblickend habe ich in diesem Jahr erfahren, was es bedeutet, immer wieder neu anzukommen: Anzukommen im Übergang, im Unfertigen, im Ungewissen, im Ungefähren. Auch wenn es schwer ist, werde ich besser darin, diesen Zustand annehmen zu können und mit dem Übergang zu gehen. Oder auch: In dem Moment anzukommen, genauso wie er eben ist.

„Wer loslässt, hat beide Hände frei“

Ich mag dieses Zitat sehr, weil es so schön veranschaulicht, was passiert: Erst indem ich etwas loslasse, schaffe ich Platz für Neues. Bei mir ging es in diesem Jahr Hand in Hand. Ich bin von Frankfurt am Main ins Murgtal im Nordschwarzwald gezogen. Mein Job in Frankfurt ist zunächst remote mitgezogen, doch der Ortswechsel hat den Weg freigemacht für eine Veränderung. Ich arbeite seit dem Sommer 20 Stunden an einer Hochschule in der Nähe. Gleichzeitig habe ich durch meine Kündigung in meinem ehemaligen Arbeitgeber einen neuen Auftraggeber gefunden im Bereich Lektorat und eLearning-Kreation. So war ich viel schneller als geplant in einem neuen Arbeitsmodell.

Lebwohl, Frankfurt: Mein letzter Spaziergang im Januar zum Westhafen, Anstoßen auf meinen letzten Arbeitstag im Juni, und viele Bücher, die ich vor dem Umzug aussortiert habe.

Mein neues Arbeitsmodell: Das Job-Patchwork

Den Begriff des Job-Patchworks habe ich vor 10 Jahren in einem Buch von Beate Westphal kennengelernt und gespürt, dass das zu mir passen könnte. Gerade für Menschen mit vielen Interessen kann die Kombination aus unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Tätigkeiten ein Weg sein, um zufriedener zu arbeiten. Ein Job-Patchwork erlaubt es, sich in verschiedene Bereichen auszuprobieren und sich krisenfester aufzustellen.

So sieht mein Jobmodell gerade aus:

  • Teilzeitanstellung in der Hochschulkommunikation
  • Kundenaufträge als freie Lektorin und eLearning-Autorin
  • Schreibkurse und Schreibbegleitung als selbstständige Schreibpädagogin auf Stille Seiten

Diese Modell gibt mir zum Beispiel die Sicherheit und die Zeit, mich mehr als je zuvor in der Selbstständigkeit auszuprobieren. Trotzdem habe ich unterschätzt, dass diese Themenvielfalt, die Wechsel dazwischen und die zeitliche Abstimmung aufeinander auch anstrengend sein kann.

Das kann ich aber wieder ändern, denn der Vorteil an einem Job-Patchwork ist: Es ist flexibel und lässt sich je nach Bedürfnis und Lebensphase wieder anders gewichten – ohne dass ich direkt mit leeren Händen dastehe.

Eine wiederkehrende Frage: Wie will ich leben & arbeiten?

Um diese Frage kreise ich schon seit vielen Jahren. Eng verbunden sind damit auch die Fragen: Womit verbringe ich überhaupt meine Zeit – und gefällt mir das so? Was ist für mich wesentlich (= was meinem Wesen gut entspricht)? Wie viel Struktur und wie viel Freiraum darf es sein? Brauche ich wirklich so viel Abwechslung, wie ich denke? Wenn sich etwas Neues nicht gut anfühlt, dann nur, weil ich noch üben und lernen darf – oder weil es doch nicht passt?

Arbeit und Leben kann ich nicht getrennt betrachten – weil ich sonst einen getrennten Menschen aus mir mache. Genauso wenig kann ich das Schreiben vom Leben trennen – beides ist aufeinander bezogen.

Mein neues Jobmodell bringt auch Themen und Gefühle ans Licht, denen ich mich zuwenden darf. Daher kommt übrigens der Titel des Jahresrückblicks: Auf der einen Seite ist viel Neues in meinem Leben, doch gleichzeitig sind da auch viele alte Themen, die sich nochmal anders präsentieren. Ganz langsam gibt es in mir eine feinere Wahrnehmung, wenn diese alte Themen anklopfen – und das stimmt mich wirklich zuversichtlich.

Ich weiß, dass das Thema arbeiten, leisten, weiterkommen einen viel zu großen Raum in meinem Leben einnimmt – seit Jahren. Und ich oft genug nicht die Dinge tue, die mir wirklich wichtig sind. Neue Perspektiven und Gedankenanstöße dazu habe ich im Buch 4000 Wochen von Oliver Burkeman gefunden, das ich gelesen habe, kurz bevor ich diesen Rückblick geschrieben habe. Es wird also noch eine Zeit kommen, in der ich all das integriere. Für den Moment kann ich nur soviel sagen, dass ich keine ausformulierte Antworte habe. Vielmehr lebe ich die Frage. So wie in diesem Zitat:

Leben Sie jetzt die Fragen. Vielleicht leben Sie dann allmählich, ohne es zu merken, eines fernen Tages in die Antwort hinein. Rainer Maria Rilke

 

Mein neues Zuhause: der schöne Fensterblick in den Wald, der erste Ausflug mit dem neuen Fahrrad zur Bücherzelle, Freibad-Saison, Blick auf die Murg und den Froschkönig im Katz’scher Garten

Wiederholung gibt Sicherheit

In einem Jahr mit so viel Bewegung habe ich es sehr zu schätzen gelernt, langsamer zu gehen und Dinge zu wiederholen. Im Herbst habe ich wieder die Schreibwerkstatt Autorinnen des Lebens angeboten und sieben Frauen gefunden, die mitgeschrieben haben. Auch die Rauhnachtspost, meine Schreibimpulse per E-Mail zu den Rauhnächten, habe ich wiederholt. Ich konnte mich also ganz auf meine Vorarbeit vom letzten Mal verlassen und mich diesmal auf andere Dinge konzentrieren, etwa die Kommunikation im Vorfeld und wie ich meine Kurse stetig verbessern kann. Es war schön, etwas Bestehendes neu zu erleben und von dort aus in die Tiefe zu gehen.

Auch heute habe ich noch das Gefühl, immerzu etwas Neues und noch nie Dagewesenes bieten zu müssen. Doch ich finde es inzwischen viel stimmiger, wenn sich das Angebot aus sich selbst heraus und mit meiner gewonnen Erfahrung schrittweise weiterentwickeln.

Meine Yogapraxis ist ebenfalls in diesem Jahr langsamer geworden und bestand aus viel Wiederholung. Neu dazugekommen ist eine Matte aus Schurwolle – auf der ich noch viel lieber Deep Stretches, Somatic, Yin und Restorative Yoga mache – und die Yoga-Karten-Sets von PlayPauseBe. Sie sind für die Planung von Yogakursen, aber genauso für die eigene Praxis zu Hause super hilfreich, zum Beispiel, um abseits von Bildschirmen und Videos ganz für sich zu üben.

Wie auch im letzten Jahr: Urlaub in Tirol & der Rhön

Neue Angebote für alle Phasen beim Schreiben

Zu meinen bewährten Schreibkursen kamen im Herbst neue Angebotsformen hinzu, die ich unter Schreibbegleitung zusammenfassen würde.

In meinen bisherigen Schreibangeboten stand die Inspiration im Mittelpunkt: ins Schreiben zu finden und neue Seiten an sich kennenzulernen. Doch was, wenn da mehr ist? Was, wenn sich aus dem Schreiben der Wunsch nach einem größeren Schreibvorhaben entwickelt? Was, wenn da ein kreativer Druck spürbar wird? Was, wenn Ideen ausbleiben oder sich innere Stimmen melden, die vom Schreiben abhalten oder dafür sorgen, dass Texte in der Schublade verstauben?

Hierfür biete ich eine 1:1-Schreibberatung an. Für längere Projekte gibt es eine Begleitung, die Beratung und Lektorat kombiniert. Für eine Standortbestimmung gibt es Textfeedback und für die letzte Phase das Lektorat.

Da ich selbst beruflich, persönlich und literarisch schreibe, kenne ich den Zwang und Drang des Schreibens. Ich habe mich daher schon früh für den Kreativen Prozess und den gesamten Schreibprozess interessiert. 2019 habe ich eine Ausbildung zur Schreibberaterin gemacht, um meinen eigenen Weg beim Schreiben zu finden. Gleichzeitig habe ich mich in der Begleitung und Beratung von Schreibenden in meiner Stärke erlebt – und nun biete ich es endlich an.

Auch wenn das Lektorat schon immer Teil meines beruflichen Alltags war, habe ich in diesem Jahr die Weiterbildung Freies Lektorat bei der Akademie der Deutschen Medien abgeschlossen – und zu meinem intuitiven Zugang nochmal gute objektive Herangehensweisen gelernt und eingeübt. Inzwischen bin ich Mitglied im Verband der freien Lektorinnen und Lektoren (VfLL) mit eigener Profilseite.

Ich freue mich, Schreibende nun auf dem gesamten Schreibweg zu begleiten – von der ersten Idee bis zum letzten Satz.

Die Postkarten für die Schreibenden bei den Autor:innen des Lebens, Schnipseltexte, Journaling Barcamp in Hamburg

Stille Seiten in Zahlen

  • 318 Leser:innen meines Newsletters Stille Post
  • 26 Ausgaben Stille Post
  • 54 Schreibende habe ich mit meinen Angeboten begleitet
  • 3 neue Blogartikel

Besondere Momente im Jahr 2024

Was hat mein Jahr sonst noch ausgemacht? Fragmente aus Begegnungen und neuen Erfahrungen, zum Beispiel beim wundervollen Fortbildungswochenende in Karlsruhe in Traumasensibel begleiten – TSB® mit Natalie Bürk oder beim Jounaling BarCamp in Hamburg.

Da waren viele Spaziergänge, Ausflüge und Familienbesuche am neuen Wohnort und in der alten Heimat. Ich habe das Gefühl, mir langsam eine Art Netzwerk aufzubauen mit Menschen in ähnlichen Lebens- und Interessenswelten wie meinen – etwas, das ich schon immer sehr vermisst habe.

Ich habe Neues über meinen Körper gelernt: Ich war kaltbaden in Flüssen (mit 5,8 Grad als niedrigste Temperatur), habe 5 Tage lang Heilfasten gemacht (mit solch einer gedanklichen Klarheit) und trage seit Herbst einen Oura Ring um den Zeigefinger, um Zusammenhänge zu erkennen und bessere Entscheidungen für meine Gesundheit und mein Stresslevel zu treffen.

Schöne Momente: Mein Geburtstag in Meersburg am Bodensee

Ausblick auf 2025: Alles zu seiner Zeit

An dieser Stelle blättere ich zurück, was ich mir letztes Jahr vorgenommen habe. Ich habe mir zusätzlich angeschaut, was ich mir die Jahre zuvor als Ziele gesetzt habe und stelle fest: Ich bin mit meinen Zielen und Wünschen meiner Zeit voraus. Es braucht vieles länger als mein Kopf das will. Und das ist okay. Alles hat seinen Grund und seine Zeit.

Doch was ich auch sehe: Ich gehe den Weg. Ich gehe ihn immer weiter. Und das finde ich wichtiger, als unterwegs alle Ziele zu erreichen. Ich bin unterwegs. Das ist für mich fast gleichbedeutend mit: Ich bin lebendig. Ich gehe weiter, auch wenn es schwer ist.

Ich erkenne die Kraft und Stärke darin. Und wenn du das liest, erkenne auch dich dafür an. Es zu versuchen. Mit jedem Tag. Wir starten nie bei null. Denn wir nehmen uns mit – mit allem, was wir sind und erfahren haben – auf gute und anstrengende Weise.

In diesem Jahr werden an dieser Stelle keine neuen Ziele für 2025 stehen. Denn ich glaube, dass ich zu schnell gegangen bin. Ich habe mir in den letzten Jahren zu viel vorgenommen, habe aus Ungeduld vieles gleichzeitig angefangen und dann doch ruhen lassen. Als ich es fortsetzen wollte, war ich mich nicht mehr sicher, ob ich es überhaupt noch tun wollte. Es geht mir also nicht um mehr oder neue Ziele, sondern darum, all das, was ich in den letzten Jahren erlebt habe, wirklich zu integrieren: in mein Leben, mein Handeln, Denken und Fühlen.

Die Natur lehrt Geduld: Murgtal & Nordschwarzwald in 4 Jahreszeiten

Mein Wort für das Jahr 2025

Das neue Jahr soll für mich deshalb unter dem Motto Integration stehen. Ich meine es im Sinne von: verarbeiten, nachspüren, sinken lassen, annehmen. Ich möchte sortieren, was bleiben darf und was ich vertiefen möchte. Denn ich möchte das tun, was für mich jetzt dran ist – doch dafür brauche ich ein besseres Gespür für mich und den richtigen Zeitpunkt.

So lange schon wünsche ich mir einfach zu leben. Diese Worte lassen sich auf zwei Arten lesen: Mit Betonung auf die Einfachheit und mit der Betonung auf Lebendigkeit. Ich bin mir sicher, dass meine Antwort im Weniger (Tun und Denken) liegt. Damit ich das finden kann, was das schwedische Wort lagom meint: nicht zu viel und zu wenig.

Danke an dich!

Ich danke dir fürs Lesen und Teilhaben und freue mich, wenn etwas davon mir dir resoniert hat. Ich wünsche dir einen wunderbaren Jahresausklang mit vielen kleinen Momenten zum Innehalten, Reflektieren und vielleicht ja auch zum Schreiben!

Jahresrückblick 2023: Was ich verwirklicht habe

Jahresrückblick 2023: Was ich verwirklicht habe

Als ich im letzten Jahr meinen Rückblick geschrieben habe, war für mich klar, dass 2023 unter dem Titel verwirklichen stehen soll. „Denn ich möchte endlich das verwirklichen, wovon ich bisher nur im Verborgenen träume. Ich möchte verwirklichen, was ich bisher nur durchdenke. Raus aus dem Kopf und mehr ins Herz. Raus aus den Konzepten und mehr in die Praxis.“ Das habe ich vor einem Jahr geschrieben. Und was soll ich sagen? Ich habe mein Wort gehalten.

Arbeitsreich, umsetzungsstark, facettenreich

Die 3 Worte, die mein Jahr 2023 am besten beschreiben, sind: arbeitsreich, umsetzungsstark, facettenreich. Anfang des Jahres befand ich mich mittendrin: Der Abgabetermin meiner Masterarbeit rückte näher. Gleichzeitig befand ich mich in meiner Ausbildung zur Yogalehrerin. Und das alles während ich angestellt arbeitete und Stille Seiten im Hinterkopf hatte. Wenn ich zurückblicke, war das wahnsinnig viel, wofür ich mich entschieden hatte und was ich mir da selbst zugemutet hatte. Und doch hat das alles mein Leben wahnsinnig bereichert und wiederum neue Türen geöffnet. Aber der Reihe nach.

Ich habe mein Master-Studium beendet

Im Oktober 2022 begann mein 5. Semester an der ASH Berlin im Studiengang Biografisches und Kreatives Schreiben. In diesem letzten Semester hatte ich nur noch die Masterarbeit zu schreiben, der ich den Titel gab „Autor:innen des Lebens. Ein Schreibkonzept für eine kreativ-literarische Begegnung mit der eigenen Erinnerung“.

Und auch wenn es viel zu recherchieren, lesen, skizzieren, denken, sortieren und konzipieren gab: Ich habe es so gerne gemacht. Ich habe mich vertieft in die heilsame Wirkung von Sprache, die narrative Identität, den systemischen Ansatz, die Biografiearbeit, die narrative Therapie, die Poesie- und Bibliotherapie und kreatives und literarisches Schreiben. Vor allem an meinen freien Freitagen (ich habe in diesem Jahr meine angestellte Arbeitszeit auf eine 4-Tage-Woche reduziert) war ich wieder Dauergast in der Uni-Bibliothek und auch zweimal in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt – und habe mich an das Campus- und Uni-Leben aus meinem Bachelor-Studium erinnert gefühlt, das ich manchmal sogar vermisse.

Die fertige Masterarbeit, Unmengen Bücherstapel und die erste Post an die Autor:innen des Lebens zu Kursbeginn

Aus all diesen Konzepten habe ich ein Schreibangebot entwickelt, das Menschen dabei begleitet, das eigene Leben anders zu erzählen. Denn mein Wunsch war es, Räume und Möglichkeiten zu kreieren, sich kreativ-literarisch mit Erinnerungen auseinanderzusetzen, damit sich neue und heilsame Perspektiven auf die eigene Biografie eröffnen.

Die Masterarbeit habe ich im April 2023 abgegeben und im Sommer kamen Gutachten und Zeugnis: Ich bin offiziell Schreibpädagogin (M.A.).

Das Studium war ein wichtiger Wegbereiter. Ohne es gäbe es weder Stille Seiten noch meine Schreibangebote, noch hätte ich all die wunderbaren Kommiliton:innen kennengelernt und so viel erfahren und dazugelernt.

Die Autor:innen des Lebens im Praxistest

Nach einer Sommerpause habe ich das Konzept aus meiner Masterarbeit als 5-wöchige Online-Schreibwerkstatt zwischen September und Oktober 2023 angeboten: Autor:innen des Lebens – Ein neuer Blick auf alte Geschichten. Es hat sich eine kleine Gruppe wunderbarer Frauen dafür zusammengefunden.

Für mich war es das erste Mal, dass ich eine feste Gruppe begleitet habe. Meine früheren Schreibangebote waren jeweils offene Reihen gewesen. Doch genau diese Gruppe, in der Vertrautheit wächst, braucht es, damit ein Austauschen, Vorlesen und Erkennen (im anderen oder in anderen Worten) möglich wird – vor allem, wenn es um nichts weniger geht als Texte über das eigene Leben.

Anhand der lieben Worte und Rückmeldungen, die mich während und nach dem Kurs erreicht haben, konnte ich sehen, dass es mir gelungen war. Es war mit gelungen, dieses Konzept zum Leben zu erwecken und die Teilnehmerinnen dazu inspirieren, ihren Lebensweg in einem neuen Licht zu betrachten.

Inspirierend! Sehr achtsame Kursleitung und Gruppenatmosphäre. Sehr rundes Konzept. Schöne Abwechslung in den Übungen.

Ich war selbst oft erstaunt über die innere Fülle und Vielfalt, die die Schreibimpulse aus mir hervorgelockt haben. Und habe es als sehr bereichernd erlebt, mich auf diese Weise wieder selbst ein Stück mehr und anders kennenzulernen!

Ann-Christin führt mit sehr viel Feingefühl durch die Schreibübungen und auch durch den Austausch in der Gruppe und lässt Raum, sich zu erinnern. Ein Raum der tiefen Zeit und der Stille, wie man ihn heute selten findet.

Mich haben diese Worte mitten ins Herz getroffen und bestärkt. Die Autor:innen des Lebens werden daher im kommenden Jahr in die nächste Runde gehen. Ich plane, sie im Frühling und im Herbst anzubieten. Wenn du dich davon angesprochen fühlst, kannst du dich unverbindlich für die Warteliste 2024 eintragen und erfährst als erste, wenn die neuen Termine feststehen.

Ein neues Format: die Rauhnachtspost

Eins meiner Ziele für 2023 war ein Schreibangebot zu den Rauhnächten. Seit einigen Jahren gestalte ich die magische Zeit zwischen den Jahren für mich, um das Jahr zu reflektieren und mich neu auszurichten. Und so habe ich die Rauhnachtspost entwickelt, um sich Zeit zu nehmen für Einkehr, Rückschau, Neuausrichtung. Es ist eine Reihe von Schreibimpulsen per E-Mail, die die Themen der einzelnen Nächte aufgreift und dazu einlädt ein, schreibend in sich zu gehen, sich zuzuhören, das Jahr zu reflektieren und sich neu zu sortieren.

Wenn dieser Jahresrückblick erscheint, sind wir also noch mittendrin. Das Interesse an der Rauhnachtspost war groß und ich bin sehr gespannt auf das Feedback und was ich daraus wieder dazulerne.

Wenn dich die Rauhnächte interessieren und du nach Impulsen zum Schreiben und Kreativsein für den Jahreswechsel 2024/2025 suchst, kannst du dich auch hierfür unverbindlich auf die Warteliste setzen.

Und falls du noch nach Fragen suchst, die du dir für deinen Jahresrückblick stellen kannst, findet du hier welche für deine Jahresreflexion.

Stille Seiten in Zahlen

  • 260 Leser:innen meines Newsletters Stille Post
  • 27 Ausgaben* der Stillen Post
  • 44 Teilnehmer:innen an meinen Schreibangeboten (manche von ihnen haben mehr als einmal mitgeschrieben)

*In diesem Jahr habe ich den Rhythmus der Stillen Post von wöchentlich auf 2-wöchentlich umgestellt. Grund dafür waren die fehlenden Kapazitäten durch meine beiden Abschlüsse. Da dieser Rhythmus auch danach deutlich besser für mich funktioniert hat, habe ich ihn beibehalten.

Ein Traum wurde wahr: meine Ausbildung zur Yogalehrerin

Um zu verstehen, wie viel mir dieser Punkt bedeutet, machen wir einen Zeitsprung. Während der Oberstufe habe ich Yoga für mich entdeckt und ich muss ein wenig schmunzeln, dass es damals auf dem Nintendo DS war. Das Spiel hieß Let’s Yoga. Bis heute übe ich Yoga hauptsächlich zu Hause, inspiriert durch Videos und Bücher verschiedener Lehrer:innen. Es ist eine sehr individuelle Praxis, die sich mit mir weiterentwickelt und die ich an meine Tagesform anpasse.

Im Sommer nach dem Abitur habe ich Der Weg des Künstlers von Julia Cameron gelesen und schreibe seitdem Morgenseiten. In einer Übung ging es darum, aufzuschreiben, was ich tun würde, wenn ich verschiedene Leben hätte. In einem Leben habe ich Schreibwerkstätten geleitet, in einem anderen Leben war ich Yogalehrerin. Das habe ich 2008 aufgeschrieben.

Und nun – 15 Jahre später – habe ich mir beides erfüllt.

Meine 200-Stunden-Ausbildung zur Yogalehrerin hat im September 2022 in Frankfurt gestartet. Ein halbes Jahr lang hatten wir jeden Monat ein intensives Blockwochenende. Die vielen, vielen Stunden im Yoga-Studio waren unbeschreiblich wertvoll. Neben der Praxis in Asana, Pranayama und Meditation haben wir so viel Neues gelernt über Anatomie (experimentelle und energetische), Philosophie, den Stundenaufbau (Sequencing), das Unterrichten und so viel mehr. Die uralte Weisheit dieser Traditionen, die Ganzheitlichkeit und das Menschenbild dahinter fasziniert mich besonders. Yoga ist so viel mehr ist als eine körperliche Praxis. Yoga ist ein Lebensweg, der so viele Konzepte und Methoden, aber auch Orientierung bereithält, wie wir unser Leben gestalten können. Und deshalb ist Yoga auch ein Erkenntnisweg.

Die Zeremonie nach Abschluss der Prüfung, Aerial Yoga und viele Stunden auf der Matte

Die Yogamatte ist wie ein Spiegelbild und so habe ich dort auch viel über mich gelernt. Meine Yoga-Praxis lehrt mich gerade, Freude an der Wiederholung und der Vertiefung zu finden. Denn als jemand mit sogenannten Scanner-Persönlichkeitsanteilen, suche ich die Vielfalt und Abwechslung und ziehe das Neue gerne der Wiederholung vor. Diese Themenfülle bringt so viel Neues in mein Leben und auch in meine Arbeit als Schreibpädagogin ein. Gleichzeitig erschöpft sie mich. Und was ich in diesem Jahr alles gleichzeitig gestemmt habe, ist das beste Beispiel dafür. Ich erkenne immer mehr, dass genau das mein Ankommen im Leben verhindert, nach dem ich mich eigentlich sehne. Und dass ich mehr Fokus und Geduld finden will, um alles zu seiner Zeit auszuleben.

Eine meiner wichtiges Lektion in der Yogalehrer-Ausbildung war Akzeptanz. Die Akzeptanz, dass mein Körper gerade da ist, wo er ist und wir alle einen anderen Körper und anderen Weg hinter uns und vor uns haben.

Passend dazu möchte ich meine Entdeckung des Jahres mit dir teilen: Manuela Mitevova mit ihrem Online-Programm Hips Like Honey. Ich habe nämlich mit dem zu tun, was sich im englischen tight hips nennt. So war das viele Sitzen auf dem Boden während der Ausbildung anfangs eine Herausforderung für mich. Lange habe ich gedacht, dass ich mit dieser fehlenden Mobilität in den Hüften (trotz Übungspraxis) kein Yoga unterrichten könnte. Oder, dass ich im Schneidersitz die Knie vollständig zu Boden bringen muss. Natürlich sehe ich, dass all das nichts über meine Qualitäten als Lehrerin aussagt (und auch nichts mit Yoga zu tun hat). Und dass jede:r anatomisch bedingt unterschiedliche Möglichkeiten hat.

Das ist die eine Seite. Die andere Seite ist, dass der Körper auch emotionale Spannung in sich hält und dieser wollte ich mich zuwenden. Die Übungen aus Hips Like Honey sind Teil meiner Yogapraxis geworden und ich habe nicht nur aus körperlicher Sicht Fortschritte gemacht. Auch emotional hat es mich mit den Gefühlen von Ungeduld und Stagnation in Kontakt gebracht und auch mit der Erfahrung, mit dem Unbequemen sein zu können.

Die Ausbildung endete im Februar 2023 mit einer wundervollen Zeremonie. Was ich aber auch gespürt habe: So eine Ausbildung ist erst der Anfang. Meine eigene Art zu unterrichten wartet noch darauf, von mir entdeckt und entwickelt zu werden. Auch mich als Yogalehrerin muss ich erst noch kennenlernen. Ich bleibe also immer auch Schülerin. Und dafür gibt es zum Glück zahlreiche Möglichkeiten. Im Herbst habe ich mich bereits in folgenden Vertiefungen weitergebildet, die andeuten, in welche Yoga-Richtungen ich mich entwickeln möchte:

  • Hormon Yoga
  • Aerial Yoga
  • Yin Yoga
  • traumasensibles Yoga

Welche Verbindung hast du zum Yoga?

Herausforderung: Sichtbarkeit & Präsenz

Ich bin mir sicher, dass ich damit nicht alleine bin: Dass es zunehmend schwieriger wird, sich zu konzentrieren, sich nicht ablenken zu lassen, nicht jedem inneren und äußeren Impuls gleich nachzugehen, bei sich zu bleiben, innezuhalten.

Ich darf mich selbst immer wieder daran erinnern, achtsam zu werden und wirklich dort zu sein, wo meine Füße gerade sind. Dieses Bild gefällt mir sehr gut, weil es sehr schön verbildlicht, wenn ich mit den Gedanken überall bin, nur nicht im gegenwärtigen Moment. Es ist der Körper, der Atem, der im Jetzt stattfindet und der mich immer wieder in den Moment zurückholen kann.

Und so habe ich meinen Weg in all dem digitalen Lärm noch nicht gefunden. Weil ich mir manchmal selbst nicht sicher bin, wie sehr ich Social Media Kanäle bespielen kann und will, um damit ein Teil der großen Ablenkung und Zerstreuung zu sein. Wie authentisch ist es, sich selbst weniger in diesen Medien bewegen zu wollen und sie dann zu füllen?

Mein wichtigster Kanal ist und bleibt meine Webseite und die Stille Post. Und für mein Instagram-Profil suche ich noch nach (m)einer Antwort und dem passenden Maß.

Die Sache mit dem Ausruhen und den Auszeiten

Im letzten Jahr habe ich einen Satz geschrieben, an den ich mich selbst immer wieder erinnern darf:

Wir alle dürfen uns mehr Pausen nehmen und ausruhen – nicht erst, wenn die Arbeit erledigt ist (das ist sie übrigens nie), sondern bevor es notwendig wird.

Das mit den Ruhe- und Auszeiten ist nach wie vor nicht leicht für mich. Immerzu bin ich mit irgendeinem Thema oder Projekt beschäftigt. Dabei sind Pausen der Beginn von allem. Aus der Entschleunigung heraus haben wir erst die Kapazitäten für andere Dinge und können erkennen, was wirklich wesentlich ist.

Ich habe in diesem Jahr zwei sehr inspirierende Bücher gelesen, die unter anderem diese Gedanken aufgreifen und den Bogen noch viel weiter spannen. Darin finden sich so viele Ideen und Anregungen, das Leben ganz praktisch und im Kleinen nach Werten auszurichten, die unserer menschlichen Natur viel näher sind und zu einem wertvolleren Zusammenleben beitragen. Es sind die Bücher Care – Was wir gewinnen, wenn wir uns Zeit lassen von Brooke McAlary und Echter Wohlstand von Vivian Dittmar.

Eine sehr schöne Auszeit hatte ich diesen Sommer in Seefeld in Tirol

Besondere Momente im Jahr 2023

An manchen Tagen ist mir schmerzlich bewusst geworden, dass kreative Arbeit auch einsame Arbeit ist. Umso schöner ist es, den Weg dahin und das Ergebnis mit anderen zu teilen. Und umso wichtiger ist es, am echten Leben teilzunehmen jenseits von Bildschirmen und Büchern.

Für mich war es das Konzert von VV im Februar 2023. Es ist das Solo-Projekt von Ville Valo und für mich, die bereits mit 11 Jahren ein großer Fan der Band HIM war, war es ein besonderes Erlebnis. Im März habe ich eine Schneewanderung zur Wasserkuppe gemacht, im April ein Weingut besucht, im Mai einen Kurztrip nach Paris unternommen (besonders gefallen hat mir das Musée Marmottan Monet in einer wunderschönen Villa und das Künstlerviertel Montmartre) und im Oktober einen freien Freitag in der Herbstsonne genossen.

Besondere Momente im Jahr 2023 – abseits von Bildschirmen und Büchern

Ausblick 2024: Wohin führt der Weg?

Ziele sind Wegweiser und sie halten mich auf Kurs. Auch wenn ich nicht alle meine Ziele aus dem vergangenen Jahr verwirklicht habe, so bewege ich mich kontinuierlich auf sie zu. Aus all den Themen, die in diesem Jahresrückblick bereist anklingen, werden mich folgende weiter durch 2024 begleiten:

  • Ich möchte das Schreibangebot auf Stille Seiten weiterentwickeln. Dazu gehört, dass ich bewährte Kurse wie die Autor:innen des Lebens und die Rauhnachtspost wiederhole und verfeinere. Gleichzeitig möchte ich neue Formate testen. Ich denke da an Jahreszeiten-Schreibwerkstätten und Themen-Workshops.
  • Der Blog auf Stille Seiten möchte wieder mit Leben gefüllt werden. Ich habe große Lust, regelmäßig neue Artikel zu schreiben und Themen zu vertiefen.
  • Für mich steht gleich zu Beginn des Jahres ein Umzug raus aus der Stadt in ein anderes Bundesland mit einem neuen Alltag an.
  • Rund um diesen neuen Ort will ich mir ein Standbein als Yogalehrerin aufbauen.
  • Ich möchte mich mehr mit den Themen Sprache, Stimme und Präsenz beschäftigen und spüre, dass dies genau meine Berührungspunkte zwischen Schreiben und Yoga sind. Die Verbindung zwischen beidem werde ich in den kommenden Jahren weiter knüpfen.
  • Und natürlich: Mehr Momente der Ruhe, Präsenz, Auszeiten und mehr Musenstunden für mein eigenes Schreiben, die Literatur und alles, was mich inspiriert.

Mein Wort für das Jahr 2024

Wie immer wähle ich auch für das kommende Jahr ein Wort, von dem ich mir wünsche, dass es mich durch das neue Jahr tragen wird. Es ist das Wort: ankommen.

Ich wünsche mir, anzukommen: in meinem neuen Zuhause, in meiner neuen Rolle als Yogalehrerin, in meiner Rolle als Schreibpädagogin, die ich immer weiter ausgestalte, in meinem Körper und in den stillen und entschleunigten Momenten des Lebens. Es soll ein Ankommen sein im Hier und Jetzt. Ein Ankommen von Augenblick zu Augenblick.

Hast du auch ein Wort für dein Jahr 2024 gefunden? Ich freue mich, wenn du es in den Kommentaren teilst.

Ich wünsche dir einen wunderbaren Übergang ins neue Jahr. Danke, dass du auch in diesem Jahr ein Teil von Stille Seiten warst!

Jahresrückblick 2022: Durchbruch

Jahresrückblick 2022: Durchbruch

Ich habe dieses Jahr damit begonnen, dass ich die Worte Balance & Intuition als Überschrift für 2022 gewählt hatte. Das sollte für Stille Seiten und mein Leben gelten. Wie sehr ich und vor allem mein Körper aus der Balance geraten sind, musste ich dabei erst einmal erkennen. Und dass Balance kein Zustand ist, den ich nur einmal herzustellen brauche. Nein, es ist ein stetiger Balanceakt und irgendetwas wird dabei immer zu kurz kommen. Was ich auf der Suche nach meiner Balance in diesem Jahr alles gefunden habe, liest du hier im Jahresrückblick.

 

 

Auf Stille Seiten war es nicht mehr still

Im März und April habe ich durch mein erstes Schreibangebot geführt: Verbunden mit mir – Schreibend mich selbst entdecken. Es war eine 8-wöchige Reihe an Online-Schreibabenden mit einem immer anderen, stärkenden Thema im Mittelpunkt. Wir haben reflektiert, imaginiert, Bild-Collagen erstellt, in die wir schreibend eingetaucht sind, zu Musik geschrieben und die Worte und Bilder anderer als Quelle der Kraft und Inspiration genutzt. Das Konzept dafür habe ich im Rahmen meines Praxisprojekts im Studium entwickelt.

Für all meine Teilnehmerinnen waren die Abende eine kreative Auszeit, zu der mich sehr liebe Worte erreicht haben:

Stimmen der Teilnehmerinnen der Online-Schreibabende

Für mich hätte dieser Start nicht besser laufen können: Ich habe mich in meiner Rolle als Gastgeberin und Schreibgruppenleiterin sehr wohl und am richtigen Platz gefühlt. Mir ist so viel Wertschätzung begegnet, die mir gezeigt hat, dass mein Konzept wirkt. Und dass das, was mich inspiriert, auch das ist, was andere zum Schreiben bringen kann.

Aus dieser Reihe ist nun ein monatliches Format entstanden: Seite für Seite – Offene Schreibabende für Herz & Seele. Jeder Online-Schreibabend widmet sich einer anderen Seite an dir. Seite für Seite lernst du dich und deine Facetten besser kennen.

Ein weiteres Highlight war und ist für mich mein Newsletter. Am 2. Januar habe ich begonnen und verschicke seitdem Sonntag für Sonntag einen Schreibimpuls zusammen mit einem Bild. Dieses Jahr gab es 52 Ausgaben der Stillen Post.

Im Februar ist Stille Seiten auf Instagram gestartet. Dort teile ich regelmäßig Schreibimpulse, Reflexionsfragen, Schreibmethoden, Gedanken und Worte, die mich berühren.

Screenshot des Instagram Grid von Stille Seiten

Das letzte Semester und drei Präsenz-Seminare in Berlin

Nach den vielen Online-Semestern fanden die Seminare des Sommersemesters zum ersten Mal wieder vor Ort an der ASH in Berlin statt. Dort habe ich all meine Kommiliton*innen zum ersten Mal vor mir stehen sehen. Und da wir uns über unsere Texte, Gruppenarbeiten und den Austausch bisher nur virtuell kennengelernt hatten, hatte es dennoch etwas Vertrautes in dieser Runde zusammenzukommen. Das Seminar, das wir zum Modul Creative Writing – Romanwerkstatt hatten, ist mir besonders in Erinnerung geblieben und wie wir uns gegenseitig unsere Texte vorgelesen haben. Da war Großartiges dabei. Dieses Modul hat mich einem Projekt wieder näher gebracht, meinem eigenen Roman. Für die Prüfungsleistung habe ich es für kurze Zeit aus dem Dornröschenschlaf erweckt und werde weiter daran schreiben – sobald meine Prioritäten wieder anders liegen.

Inzwischen studiere ich im letzten Semester Biografisches und Kreatives Schreiben und schreibe seit Herbst an meiner Masterarbeit. Darin entwickle ich ein Konzept für einen Kurs, der biografischen und literarisches Schreiben miteinander verbindet. Ich habe vor, ihn danach auch hier auf Stille Seiten anzubieten und durchzuführen. Wenn es so weit ist, lasse ich rechtzeitig von mir hören 😊

Collage: Was mich lebendig macht

Was mich lebendig macht: Begegnungen (wie die an der ASH oben rechts im Bild), gutes Essen, Yoga und Natur (zum Beispiel mein kleiner Garten oben links)

Was hat es mit dem Durchbruch auf sich?

Rückblickend gebe ich meinem Jahr den Titel: Durchbruch. Ich habe mich vorgewagt. Ich habe meine eigenen Limitierungen durchbrochen. Ich habe gesehen, erkannt, hinterfragt, die Dinge anders gemacht. Das hat sehr viel Raum für neue wundervolle Erfahrungen, Begegnungen und Menschen in meinem Leben geöffnet.

Gleichzeitig habe ich meine eigenen körperlichen Grenzen durchbrochen, die nicht hätten verletzt werden dürfen (und das nicht erst in diesem Jahr, doch es ist mir erst in den letzten Monaten klar geworden). Vor allem das Thema ausruhen und weniger tun hat mich begleitet und ist noch immer ein Lernprozess für mich.

Bild Collage zum Thema Wasser

In den Sommermonaten habe ich viel Zeit am und im Wasser verbracht.

Menschen, deren Botschaften mich 2022 begleitet haben

Durch das Jahr und meine Durchbruch-Prozesse haben mich auf die ein oder andere Weise zwei Frauen begleitet.

 

  • Einmal der Podcast der wunderbaren Verena König, die sagt: Das Wissen über Trauma hat die Kraft, die Welt zu verändern. Meine (innere) Welt hat sie damit bereits verändert und ich werde es auf meinem Weg und in meinem Wirkkreis weitertragen.
  • Und Nicola Jane Hobbs, auf die ich durch ihre Yoga-Bücher und Journaling-Inspiration aufmerksam geworden bin. In diesem Herbst hat sie The Relaxed Women gelauncht, womit sie einen neuen weiblichen Archetypen geschaffen hat. Die Gedanken auf ihrem Instagram-Account tun einfach sehr gut. Wir alle dürfen uns mehr Pausen nehmen und ausruhen – nicht erst, wenn die Arbeit erledigt ist (das ist sie übrigens nie), sondern bevor es notwendig wird.
Collage zum Thema Lebendigkeit

Wenn ich einen zweiten Titel für mein Jahr finden müsste, wäre es: Lebendigkeit, weil es so viele lebendige Momente darin gab.

Ausblick 2023: Was ich vertiefen möchte

An dieser Stelle schaue ich gerne in den vergangenen Jahresrückblick. Alles, was dort steht, hat mich tatsächlich in der ein oder anderen Form beschäftigt. Für das kommende Jahr möchte ich folgende Themenschwerpunkte setzen:

  • Wortschatz: Um den Umgang mit Worten, der (eigenen) Be-Deutung von Worten geht es immer wieder in den Impulsen in der Stillen Post. Diesen Ansatz möchte ich gerne weiterverfolgen.
  • Biografisches Schreiben: Im vergangenen Ausblick war es mein Wunsch, mich tiefer damit zu beschäftigen, wie aus persönlichen Texten Geschichten entstehen. Dem komme ich nun durch meine Masterarbeit näher, an deren Ende ein Konzept für einen solchen Kurs stehen wird.
  • Ruhe, Pausen und (Mini-)Auszeiten kultivieren.
  • Da ich seit den letzten Jahren fast nur noch Fach-, Sachbücher und Ratgeber lese, möchte ich mich wieder mehr Literarischem und Lebendigem zuwenden. Zurzeit interessiere ich mich für die Genres Memoir, Autobiografien und Autofiktion.
  • Meine Yoga-Praxis vertiefen und mit dem Schreiben verbinden.
  • Weitere (Online-)Angebote für Stille Seiten entwickeln: Ich denke an eine 1:1 Schreibbegleitung, Themen-Workshops und der oben genannte Kurs im Biografischen Schreiben. Dafür habe ich mir für das kommende Jahr Zeit und Raum genommen (denn ich habe das alles bisher neben einer Vollzeit-Anstellung gemacht). Seit Längerem ist es mein Wunsch, auch ein Schreibangebot speziell zu den Rauhnächten zu machen, da sie Jahr für Jahr für mich eine so wundervolle Zeit zum Zurückziehen und Reflektieren sind. Vielleicht nutze ich die magische Zeit zwischen den Jahren, um etwas für das kommende Jahr zu entwickeln.

Mein Wort für 2023 wird: verwirklichen. Denn ich möchte endlich das verwirklichen, wovon ich bisher nur im Verborgenen träume. Ich möchte verwirklichen, was ich bisher nur durchdenke. Raus aus dem Kopf und mehr ins Herz. Raus aus den Konzepten und mehr in die Praxis.

Hast du auch ein Wort, das dich durch 2023 begleiten und dir dabei helfen darf, den Fokus zu halten? Teil es gerne mit mir in den Kommentaren.

Schreiben zum Jahreswechsel

Wenn du dein Jahr für dich reflektieren und dich auf das neue Jahr ausrichten möchtest, lade ich dich herzlich zu den kommenden Schreibabenden ein:

Ankündigung: Schreibabend Jahresrückblick 2022
Ankündigung: Schreibabend zum Jahresstart 2023

Mein Dank geht an alle, die das hier lesen und mich von nah und fern begleiten. Danke, an alles, was mir Anlass zum Schreiben gegeben hat. Danke an alle, die mit mir gemeinsam geschrieben haben. Danke, dass auch du den Weg gehst, um dir selbst (schreibend) zu begegnen und dich auf die eine oder andere Weise dabei von mir inspirieren und begleiten lässt.

Einen wunderschönen Jahresausklang mit viel Zeit für dich und mit deinen Lieben, zum Schreiben, Innehalten und Ausruhen.

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Hallo, neues Jahr! Journaling zum Jahresstart

Hallo, neues Jahr! Journaling zum Jahresstart

In jedem Jahreswechsel liegt eine Kraft, die neue Energie und Zuversicht in uns freisetzt. Wie auch immer das alte Jahr gelaufen ist: Viele von uns nehmen sich etwas für das neue Jahr vor, wollen etwas an sich oder in ihrem Leben verändern.

Zur Einstimmung

Am Anfang eines neuen Jahres stehen wir auf der Schwelle zwischen gestern und heute. Wir sind nicht mehr die, die wir im alten Jahr waren, wissen aber auch noch nicht, wer wir im neuen Jahr sein werden.

Heute
ist die Antwort
auf Gestern.

Morgen
ist die Antwort
auf Heute.

Jobst Quis


Ich lade dich ein, in diesen Schwebezustand hineinzufühlen und dich mit den Journaling-Impulsen und -Fragen auf das neue Jahr einzustimmen. Nimm dir die Zeit, um Raum für deine Wünsche und Pläne für das neue Jahr zu schaffen.


Gestern, heute, morgen

Schreib frei drauflos über dein Gestern, Heute und Morgen.

Falls du Schreibimpulse zum Starten brauchst, kannst du diese hier nutzen:

Was klingt noch vom alten Jahr nach?

Wie fühlst du dich heute im Hier und Jetzt?

Woran denkst du, wenn du an ein Morgen denkst?


Die magische Tür

Schließe deine Augen und stell dir vor, das neue Jahr wartet hinter einer Tür. Beschreibe, wie die Tür aussieht und wie es sich anfühlt, davor zu stehen. Wenn du bereit bist: Öffne die Tür.

Was siehst du auf der anderen Seite?

Beschreibe, was du siehst, was du erlebst, was du Neues lernst, womit zu Zeit verbringst, welche Menschen da sind, an welchen Orten du bist, welche Entscheidungen du triffst …


Dein Wunschraum

Blick auf deinen letzten Text zurück:

Welche Gefühle lösen die Bilder hinter der Tür bei dir aus?

Erkennst du Themen und Wünsche, die in deinem Text stecken?

Welche Pläne hast du für das neue Jahr?


Wege zu deinen Wünschen

Was müsstest du im neuen Jahr tun, um deinem Traumjahr hinter der Tür näher zu kommen? Frag dich:

Wovon möchtest du mehr / weniger in deinem Leben?

Was gibt dir Kraft / nimmt dir Kraft?

Wozu möchtest du ja / nein sagen?

Was möchtest du zum ersten Mal / zum letzten Mal tun?


Brief aus der Zukunft

Stell dir vor, es ist ein Jahr in der Zukunft und du schreibst an diesem Tag einen Brief an dein heutiges Ich.

Was kannst du ihm von dem Jahr erzählen, was vor dir liegt? Wie haben sich deine Wünsche erfüllt? Wozu hast du ja gesagt?

Wie fühlst du dich als dein zukünftiges Ich, wenn du auf das Jahr zurückblickst? Welche Antworten hast du gefunden? Woran bist du gewachsen und wofür kannst dir schon heute Mut zusprechen?

Tipp: Schicke den Brief tatsächlich an dich ab, z. B. über ZukunftsMail oder Brief in die Zukunft. Wähle den heutige Tag in einem Jahr und du erhältst deinen Brief per E-Mail und wirst überrascht sein, wenn du ihn noch einmal liest.


Dein Wort für das neue Jahr

Schau zum Abschluss durch die Texte, die du gerade geschrieben hast und wähle ein Wort, das dich durch das neue Jahr begleiten darf und dir Kraft, Mut und Zuversicht schenkt.

Schreib es senkrecht auf und nutze die Anfangsbuchstaben als Zeile für ein kurzes Gedicht.

Beispiel:
Für dich ist immer Zeit
Leicht und leise darf es sein
Ohne Steine in der Tasche im
Wasser treiben, immer im Fluss

Damit du dein Kraftwort nicht aus den Augen verlierst, trage es immer bei dir: Auf einem Zettel in deinem Geldbeutel, auf einem Post-It an deinem Schreibtisch oder als Hintergrund auf deinem Laptop oder Smartphone.

Magst du dein Wort mit mir teilen? Schreibe es gerne in die Kommentare – ich freue mich darauf, es zu lesen.